Fluchtgeschichten

Auf ausgeschlossene Stimmen hören - Eine Projektskizze

               

Philosophie.ch hat das Ziel einen möglichst breiten und inklusiven, philosophischen Diskurs zu führen. Deshalb setzt sich das Portal dafür ein, Stimmen, die sonst wenig Gehör finden, eine Plattform zu bieten. Im Rahmen dieses Anspruches, soll das Projekt „Fluchtgeschichten“ abgewiesenen Asylsuchenden ermöglichen, sich mit einem Text zu äussern. Im Zentrum des Projektes steht, wie der Titel vermuten lässt, das Thema der Flucht, welches reflektiert und durch alternative Perspektiven erzählt werden soll. Doch, um Geflüchtete nicht (ebenfalls) auf ihre Fluchterlebnisse zu reduzieren, soll es ihnen im Rahmen des Projektes frei stehen, über die Erzählung der Fluchtgeschichte hinaus zu gehen und Erzählungen, Argumentationen oder Poesie zu verfassen, welche sie mit dem Portal und dessen Leserschaft teilen möchten.

Von der philosophischen Seite her setzt sich das Projekt mit narrativer Identität auseinander. Das Bild einer Person gegenüber anderen aber auch sich selbst ist geprägt durch Geschichten, die wir von uns erzählen, oder die andere über uns erzählen. Ein wichtiger Teil eines autonomen Lebens besteht darin, diese Geschichten revidieren oder neu erzählen zu können. Asylsuchende haben diese Möglichkeit oftmals nicht. Ihre Identität gegenüber der offiziellen Schweiz wird in einem einzigen Dokument – der sogenannten „Befragung zur Person“ (AsylG Art. 29 Abs. 1) – festgelegt. Auch wenn es dem Projekt nicht möglich ist, die offizielle Seite dieser Narration zu ändern, möchte es doch die Möglichkeit bieten, diese durch eine selbständig verfasste Äusserung zu ergänzen. Dies kann durch eine selbständige Neuerzählung der Flucht geschehen, oder in dem sich eine Person durch einen freien Text in einem anderen Blickwinkel vorstellt.

Dem Projekt ist es dabei wichtig, eine Umgebung zu schaffen, welche nicht an die offizielle Befragung erinnert: die Texte sollen in ungezwungenen, kooperativen Prozessen entstehen. Es sind dabei Formate – wie beispielsweise Workshops oder Zwiegespräche –vorgesehen, in denen Geflüchtete durch die Unterstürzung von Jungen Autor:innen eigenständige und freie Texte erarbeiten können. In einem ehrenamtlichen Pilotversuch, welcher Ende diesen Jahres, Anfang nächstes Jahr stattfinden soll, werden diese Formate Ausprobiert und erste Texte über das Portal publiziert.