Themendossier Migration

Dieses Dossier stellt die Fragen der Migrationsethikdebatte: Gibt es ein Recht auf Einwanderung in einem liberalen demokratischen Staat wie der Schweiz? Welche Argumente sprechen grundsätzlich für oder gegen offene Grenzen? Was leistet die Philosophie hinsichtlich der Einwanderungsproblematik?

 

 

 

Das Schweizer Kulturgut ginge verloren, wenn es zu viele Ausländer gibt in der Schweiz. Aber kann die Schweiz als liberaler Staat denn verlangen, dass jemand die Schweizer Kultur übernimmt? Können wir die Schweizer Kultur überhaupt definieren?
Im vorliegenden Dossier werden die Gründe für offene und geschlossene Grenzen beleuchtet, wobei sich herausstellt, dass dabei oft mehr Probleme auftreten, als man im ersten Moment vermuten würde.

 

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Ein Recht auf Einwanderung?

Die Fragen der Einwanderungspolitik haben viel mit der prinzipiellen Struktur eines Staates zu tun. Je nachdem, ob es sich um einen liberalen demokratischen Staat oder um eine autoritäre Monarchie handelt, fallen unterschiedliche Probleme mit dem Thema Immigration an. Die Schweiz ist als liberales demokratisches Land und Wohlfahrtstaat in einer ganz anderen Sachlage, als beispielsweise Sierra Leone, das zu den ärmsten Ländern auf der Welt zählt. Da die Schweiz für Ausländer wirtschaftlich gesehen oftmals viel attraktiver ist als das eigene Land, wird in der Schweizer Einwanderungspolitik immer wieder vor Einwanderungswellen gewarnt, gegen die sich die Schweiz zu schützen hätte.
Im vorliegenden philosophischen Themendossier wird genau hingesehen, ob sich eine solche Haltung rechtfertigen lässt oder ob sie den Grundprinzipen eines liberalen demokratischen Staates widerspricht. Dabei werden die gewichtigsten Argumente für und gegen offene Grenzen beleuchtet: Man merkt, dass kaum eines der Argumente bis ins Letzte stichhaltig ist. Die Aufgabe des Dossiers besteht aber nicht darin, ein definitives Fazit zu ziehen und eine klare Vorgehensweise für die Einwanderungspolitik vorzuschlagen. Vielmehr kann durch die Vielzahl der Argumente und Perspektiven gezeigt werden, dass bis anhin die als klare und stichhaltig bekannten Argumente gar nicht so klar sind.


Auch der oft durch die Politik geschürten Angst vor Einwanderern wird hier begegnet: Eine Kontrolle über kulturelle Veränderungen besteht beispielsweise ohnehin nicht, auch wenn diese für die Politik noch so nützlich wäre. Das kulturelle Gebilde eines Landes kann sich auch durch wirtschaftliche oder humanitäre Krisen verändern.
Trotzdem könnte eine Überzahl an Personen, deren eigene Kultur sehr unterschiedlich ist zu jener im Einwanderungsland, eine kulturelle Veränderung bedeuten. Konsequenterweise dient dieses Argument also weder für ein Einwanderungsverbot von kleinen Gruppen aus kulturell sehr verschiedenen Herkunftsländern noch um Einwanderungswillige mit einem ähnlichen kulturellen Hintergrund abzuweisen.
Es stellt sich aber noch eine weitere Frage: Darf die Schweiz als liberales demokratisches Land – welches sich nicht zuletzt um die (kulturelle) Freiheit seiner Bürger zu bemühen hat – überhaupt eine kulturelle Angleichung verlangen? Und wenn ja, in welchem Masse?

 

Literaturtipp

  • Migration und Ethik
  • Andreas Cassee (Hrsg.), Anna Goppel (Hrsg.)
  • 2012, 308 S. , kart.
  • Reihe: ethica
  • Band 20
  • ISBN: 978-3-89785-317-1

Sind Staaten moralisch dazu berechtigt, die Zuwanderung auf ihr Territorium nach eigenem Ermessen zu beschränken? Ist das Recht auf Ausschluss ein legitimer Bestandteil der nationalen Selbstbestimmung? Oder sollten Staaten vielmehr einen moralischen Anspruch auf globale Bewegungsfreiheit anerkennen? Über diese Fragen ist in den letzten Jahren insbesondere im englischen Sprachraum eine philosophische Debatte in Gang gekommen. Der Band »Migration und Ethik« macht deren zentrale Positionen einem deutsch sprachigen Publikum zugänglich und führt die Diskussion kontrovers fort. Thematisiert wird dabei nicht nur, ob Staaten Einwanderungs willige abweisen dürfen, sondern auch, ob niedergelassene Einwanderer einen Anspruch auf die vollen Bürgerrechte haben und wozu wir gegenüber ›Wirtschaftsflüchtlingen‹ und irregulären Migrantinnen verpflichtet sind. Das Buch thematisiert so wesentliche Stränge der migrationsethischen Debatte und liefert eine fundierte Auseinandersetzung mit Fragen, die in einer globalisierten Welt stetig an Bedeutung gewinnen. Mit Beiträgen von Joseph H. Carens, Andreas Cassee, Robin Celikates, Francis Cheneval, Anna Goppel, Carsten Köllmann, Bernd Ladwig, Urs Marti, David Miller, Martino Mona, Johan Rochel, Peter Schaber, Stephan Schlothfeldt, Michael Walzer, Simone Zurbuchen

 

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