Markus Gabriel in Biel

Im Rahmen der 11. Bieler Philosophietage und der PhilExpo22.ch hielt der deutsche Philosoph Markus Gabriel am Samstag 7.5.22 einen interessanten Vortrag in Biel. 

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Quelle: Bieler Philosophietage (Bild: Daniel Mueller)

"Ohrenzeugenbericht" (keine Zusammenfassung) von Philipp Blum

In seinem Vortrag vor rund 150 Personen in Biel (das ihn an des Frankreich der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts erinnere) verteidigte Gabriel das absolute Primat der Ethik, auf der Grundlage eines radikalen Dualismus. Der Mensch passe nicht in die Natur - der Glaube, dem sei so, sei vielmehr der massgebliche Auslöser unserer Selbstzerstörung. Die fälschlicherweise Max Weber zugeschriebene These der "Entzauberung der Welt" ("Naturalismus") sei die "schlechteste aller Ideen": im Gegenteil gäbe (und brauche) es gerade deshalb eine Umwelt- und eine Tierethik, weil der Anthropozentrismus richtig sei.

Daraus folge, dass Ethik nicht eine "randständige Kommentierungspraxis dessen [sein solle], was ohnehin geschieht": bevor wir die Schulen schliessen, brauchen wir eine Ethik der Pandemiebekämpfung; bevor wir irgendwas machen in Wissenschaft, Technik oder Wirtschaft, müssen wir erst wissen, ob wir das machen dürfen; bevor wir Waffen in die Ukraine liefern, müssen wir den Krieg (und die Waffenlieferungen) in unsere Co2-Modelle integriert haben. Dieses unbedingte Sollen, so Gabriel, soll nicht durch taktische Überlegungen verbogen werden, denn der Sinn des Lebens bestünde genau darin: das moralisch Richtige zu tun.

Zudem (unabhängig davon, und eher beiläufig gesagt) gäbe es hier eine prästabilierte Harmonie: was ethisch richtig sei, schaffe auch mehr Wert (und umgekehrt?); auch deshalb sei die katholische Kirche das erfolgreichste Unternnehmmen aller Zeiten, weil sie eine integrierte Ethikabteilung haben.

 

Quelle: Bieler Philosophietage (Bild: Daniel Mueller)