Blogbeitrag vom 11.9.2016

Die Zeit als Änderung

Redewendungen über die Zeit hört man oft im Leben. „Lass Dir Zeit“, wenn etwas angestrebt wird; „Kommt Zeit, kommt Rat“, wenn eine Lösung gesucht wird.

Solche Phrasen, die als Trost und Ermunterungen für Lebensmomente dienen, berühren aber etwas Tieferes – eine Verbindung zwischen Zeit und Änderung.

Wenn es um die Frage der Zeit geht, wird folgende These vertreten [1]:  Die Zeit ist nichts weiteres als Änderung; ohne Änderung gäbe es keine Zeit.  

Um dem näher zu kommen, ist ein Denkspiel hilfreich. Stellen wir uns vor, es gäbe eine Dose Butter auf dem Tisch. Sie steht ohne Deckel da und in ein paar Tagen ist zu sehen, wie die Butter in ihrer Farbe dunkler geworden und auch ein bisschen geschmolzen ist. Chemisch gesehen ist die Farbänderung durch Oxidation und das Schmelzen durch die Steigerung ihrer Temperatur zu erklären. Nun wird zum zweiten Mal eine Dose Butter auf den Tisch gestellt. Aber diesmal wird sie mit einem Glasdeckel bedeckt, welcher wasser-, licht- und luftdicht ist und jegliche Änderung der Aussentemperatur verhindert. Man ahnt schon, was mit der Butter in ein paar Tagen passieren wird, nämlich, nichts. Die Butter bleibt unverändert.

Stellen wir uns jetzt vor es gäbe so einen Deckel für mehrere Gegenstände oder sogar für die ganze Welt, worunter nichts berührt wird, sich nichts bewegt und auch nichts verändert. Wie vergeht die Zeit? Man könnte sagen, dass, obwohl sich unter dem Deckel nichts ändert, die Zeit dennoch vergeht; sie kann zumindest von aussen identifiziert werden, zum Beispiel mit dem Sonnenauf- und untergang. Aber dann wird die Zeit durch den Sonnenauf- und untergang bestimmt, welche durch Änderungen der Positionen unseres Planeten im Bezug zur Sonne in einem wiederholten Muster bestimmt sind. Und wenn diese Bewegungsmuster aufhören, beschleunigen oder nachlassen sollten, wie würde die Zeit dann vergehen? Ist die Zeit etwas für sich alleine oder ist sie abhängig und nur von aussen zu bestimmen? Sagen wir mal, dass es die Zeit gibt und zwar für sich alleine. Kalender mit Tagen, Monaten und Jahren sowie Uhren mit Stunden, Minuten und Sekunden stehen bereit und zählen die Zeit. Es gibt auch die Atomuhren, damit unsere internationale Gemeinschaft im Schritt bleiben kann. Aber was wird genau mit diesen Instrumenten gemessen? Ist eine Sekunde etwas Alleinstehendes und wieso hat sie genau ihre Dauer? Messinstrumente für Distanz, zum Beispiel, benennen und nutzen unterschiedliche Längen. Aber ist einen Meterstab, mit dessen Zentimeter und Millimeter, mehr als ein entworfener und angenommener Vorschlag dafür, wie man über Distanz, Raum und Platz diskutieren kann? Und wenn Meterstäbe Distanz messen, was genau messen dann Uhren und Kalender?

Die Zeit, so bleibt die These, ist nichts weiteres als Änderungen, die in einem mehr oder weniger bestimmten Muster nach Vorne und Hinten beobachtet und erlebt werden können. Aber was wir tun und wie wir darin handeln, das ist unsere Entscheidung.

 


[1] Zum Weiterlesen vergleiche: Le Poidevin, Robin (2003): Travels in Four Dimensions: The Enigmas of Space and Time. Ch. 2 „Change“, Oxford: Oxford University Press.