Ein Beitrag von Anna W. von Huber

So lach doch mal. Ein Gedanke über das Lachen.

„Das Lachen ist satanisch. Also ist es zutiefst menschlich.“ (Charles Baudelaire)

Lachen und Weinen sind zwei Grundinstinkte des Menschen. Der Mensch lacht und weint, damit er die Lebendigkeit des Daseins begreifen kann. Es gibt ein bekanntes Sprichwort, welches besagt: „Lächle in die Welt hinaus und sie schenkt dir ein Lächeln zurück.“. In diesem Sprichwort wird behauptet, dass man die Fähigkeit besitzt, sich bewusst für das Lächeln zu entscheiden. Man kann wählen, welche Perspektive man für die Betrachtung der Welt einnehmen will. Man kann sich dafür entscheiden, die Feder fallend oder schwebend zu betrachten. Doch kann man sich auch dazu entscheiden, ein Lachen auszudrücken oder ist dieser Ausdruck etwas rein instinktives Körperliches?

Das Lachen wird in der Philosophie traditionell in Zusammenhang mit der Komik, dem Absurden untersucht. Besonders interessant sind in der Philosophie Denker, die das Lachen als einen Grundinstinkt oder als ein Grundmotiv des Menschen sehen - das Lachen als Zeichen der Menschlichkeit. Tiere können laut Wissenschaft nicht lachen.

Das Lachen ist eine Kategorie, die zumeist nicht in die Kategorie der bewussten Handlungsmotive fällt. Wir lachen in Filmen, wir lachen mit Freunden und selten lachen wir allein. Warum ist das so – bei uns Menschen? Thomas Hobbes behauptet jedenfalls: “Allgemein ist das Lachen das plötzliche Gefühl der eigenen Überlegenheit angesichts fremder Fehler.“

Bis ins 20. Jahrhundert hinein und besonders im Mittelalter verbreitet, war das Lachen als Symbol des moralisch Abwertenden zu sehen. Es wurde stets als etwas betrachtet, dass aufgrund der Demütigung und des Schadens des Anderen entstand. Das Lachen wird als Wahrnehmung etwas komischen und a - normalen der Welt verstanden. Folglich wird vielmehr ausgelacht als miteinander gelacht. Etwas wird verlacht.

Um zu verstehen, was Lachen bedeutet, will ich es von anderen Begriffen distanzieren und später in einen größeren Kontext setzen. Das wahrhafte Lachen ist im Unterschied zum Lächeln eine Eigenschaft, die aus dem Menschen intuitiv in Erscheinung tritt und nicht steuerbar ist, solange es nicht ein Schauspieler auf der Bühne vollzieht oder künstlich aufgrund von Schamgefühlen beispielsweise eines unlustig erzählten Witzes eines Freundes auftritt. Das Lachen kann aufgeteilt werden in das Verlachen, eine komplexe Art des Auslachens, dem Lachen über den Mechanismus des Lebendigen, einer einfachen Art des Auslachens, sowie in das Freudenlachen, ein Lachen, welches nicht an die Komik notwendig gebunden ist.

 

Lachen als soziales Konzept

Für die meisten Denker ist das Lachen etwas, was erst und allein in einem sozialen Gefüge möglich ist. Jemand wird selten für sich alleine lachen. Es würde befremdlich wirken, stellen wir uns einen Menschen vor, der sich selbst Witze erzählt und dabei laut anfängt zu lachen. Es kann allerdings auftreten, dass man allein über eine Alltagsituation lacht. Aber selbst in diesem Fall scheint es doch, als würde es eigenartig auf fremde Menschen wirken, wenn jemand unter Menschen laut und aus seinem tiefsten Inneren heraus anfängt zu lachen. Für Kierkegaard ist diese Innerlichkeit eine durch die körperliche Oberfläche verborgene. Was passiert dabei, wenn dieser Mensch in seinem einsamen Lachen gesehen wird? Wenn er in einem sozialen Gefüge eingebettet für sich alleine lacht? Was passiert mit dieser daraus entstehenden Atmosphäre? Die Atmosphäre wird in den meisten Fällen wohl als eigenartig komisch oder als absurd wahrgenommen. Es entsteht ein gemeinsames Lachen über eine Situation. In diesem Fall spricht der Philosoph Henri Bergson von einem Verlachen, welches an soziale Strukturen gebunden ist. Diese Art des Lachens ist eine Art des Lachens, welche negativ behaftet ist, man Ver – lacht das Leben und man ent-personifiziert die Person. Es wird nicht über Hans gelacht, der mit sich selbst lacht, sondern über die Absurdität seiner Tätigkeit, die aus der Norm der Gesellschaft entflieht und nicht mehr zu fangen ist. Würde man aufgrund Hans´ Unfähigkeit sich an die gesellschaftliche Norm anzupassen lachen, so würde man dieses Lachen als schäbig, als unangebracht und als makaber bezeichnen - ein Lachen, das sich auf das Leiden des Anderen aufbaut und diesem Leiden erst entspringt.

 

Lache und Freude

...Wir saßen gemeinsam an deinem von Ängsten und Keimen zersetztem Bett und fingen an zu lachen. Wir lachten gemeinsam über unser Ereignis der Vergangenheit, wir lachten gemeinsam - ohne zu fragen - ohne etwas zu sagen. Es war, als hätten wir mit diesem Moment akzeptiert und gemeinsam unsere Erlebnisse ein letztes Mal miteinander geteilt. Dieser Moment war die engste Verbindung, die ich mit dir in unserer gemeinsamen Zeit teilen durfte...

 

Der Phänomenologe und Vitalist Henri Bergson begreift das Lachen als einen intellektuellen Akt und als eine Reaktion. Für Bergson tritt das Lachen auf, wenn etwas Lebendiges mechanisiert wird. Für das Entstehen von Lachen ist für Bergson notwendig eine Distanzierung des Emotionalen vorhanden. Er glaubt nicht an eine Art des Lachens, die nicht auf einer Degradierung des Anderen, beziehungsweise auf dem Absurden und dem komisch Abwertenden beruht. Er würde diese beschriebene Situation nicht erklären können. Denn Bergson vergisst das entscheidende Lachen: Das Freudenlachen. Dieses Lachen ist noch weit wichtiger und bedeutender für das menschliche Dasein und diese Art des Lachens kann eine Form sein, die die Möglichkeit eines Perspektivenwechsels auf die Betrachtung der Welt bieten kann. In diesem Sinne entscheidet man sich für die Komödie und gegen die Tragödie des Lebens, indem man lacht.

Wenn man keine Geschichten erzählt, können sich die Menschen nicht entwickeln, doch wenn man nicht lacht, kann man keine Geschichten fertigbringen und wenn man nicht lacht und keine Geschichten erzählt, kann man auch die Welt nicht voranbringen. (Feng Menglong)