Blogbeitrag von PD Dr. Dr. Thomas Brückner

Die Philosophie und der Mut zu ökologischen Utopien

In diesem Beitrag soll kurz skizziert werden, inwiefern die Philosophie dazu geeignet ist, vor dem Hintergrund ökologischer Herausforderungen grundlegend als Wegweiser in gesellschaftlichen und technischen Aspekten zu fungieren.

In diesem Beitrag soll kurz skizziert werden, inwiefern die Philosophie dazu geeignet ist, vor dem Hintergrund ökologischer Herausforderungen grundlegend als Wegweiser in gesellschaftlichen und technischen Aspekten zu fungieren. Als Beispiel hierfür dient die durch den gegenwärtigen, übermäßigen Ausstoß von Treibhausgasen verursachte Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur weltweit und die hierdurch bedingten Konsequenzen. Aufgabe der Philosophie ist es, so die These, vor diesem Hintergrund eine ökologische Utopie zu formulieren, aus der sich dann die notwendigen gesellschaftlichen und technischen Konsequenzen ergeben. Dies soll in 12 Schritten exemplarisch vorgeführt werden:   

1.     Auch wenn es hinsichtlich der Einzelheiten sicherlich noch großen Klärungsbedarf gibt, dürfte die grundlegende Feststellung weitgehend Konsens sein, dass die schädlichen Auswirkungen der sogenannten zivilisierten Gesellschaften auf den Lebensraum Erde immens sind. Naheliegende Beispiele hierfür sind die Verarmung der Artenvielfalt, die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und natürlich insbesondere der durch den Ausstoß von Treibhausgasen verursachte Klimawandel.

2.     Die durch die modernen Industrienationen verursachte Krise ist grundsätzlich und kann im Extremfall das Überleben der Menschen gefährden.

3.     Viele Aspekte der modernen Industriegesellschaften, die den heute vorherrschenden erst Wohlstand ermöglicht haben, bedingen zugleich auch notwendig diese Krise. So hat die Erhöhung der Energieintensität, die sich aus dem verstärkten Einsatz fossiler Energien seit dem Beginn der Industrialisierung ergibt, die Lebensumstände vieler Menschen grundlegend verbessert. Heute bedingt der ungebremste Einsatz fossiler Energien zugleich den zu beobachtenden Klimawandel.     

4.     Bei fortgesetzter Entwicklung, z.B. unvermindertem Ausstoß von CO2 durch den unveränderten Einsatz fossiler Energien, ist das Überleben der Zivilisation bedroht, bzw. die Lebensumstände ändern sich für einen Großteil der Menschheit in einer Weise, die von der Mehrzahl der betroffenen Menschen nicht akzeptiert wird (z. B. Verlust von Lebensräumen auf kleinen Inseln durch den Meeresanstieg, Zunahme von Wetterextremen)

5.     Zum Teil bestehen hier lineare Zusammenhänge, z.B. ist die Zunahme der durchschnittlichen, weltweiten Temperatur nach aktuellem Kenntnisstand nahezu proportional zur Zunahme an Treibhausgasen in der Atmosphäre. Dies ermöglicht es, näherungsweise die Konsequenzen vorherzusagen, die sich aus einer Zunahme der Treibhausgase ergeben.

6.     Zugleich sind die Werkzeuge und Technologien bekannt, die zur Anwendung kommen können, um diese nicht akzeptablen Folgen nach Möglichkeit zu vermeiden, so z.B. eine Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien, eine Verbesserung der Energieeffizienz etc.

7.     Es muss in diesem Kontext nun eine Grundsatzentscheidung darüber getroffen werden, welche durch die Erhöhung der weltweiten, durchschnittlichen Temperaturen bedingten Änderungen der Lebensumstände für die Menschheit akzeptabel sind und welche nicht.

8.     Als Kompass für diese Grundsatzentscheidung bietet sich dabei die Philosophie an. Sie hat die Kompetenz, unabhängig von gegebenen gesellschaftlichen Konventionen und wissenschaftlichen Vorgaben Normensysteme und Handlungsmaximen vorzugeben.

9.     Ein bekanntes Beispiel für eine politische Utopie stellt die Politeia von Platon dar. Hier wird ein Staatssystem vorgeführt, welches nach den Vorgaben der Platonischen Philosophie gestaltet wird.

10.  In ähnlicher Weise könnte die Aufgabe der Philosophie nun darin bestehen, eine ökologische Utopie zu formulieren. Ihre Aufgabe bestünde in diesem Unterfangen konkret darin zu definieren, welche Lebensumstände und Bedingungen für eine Gesellschaft und die Mehrzahl der Mitglieder akzeptabel bzw. wünschenswert sind.

11.  Die Philosophie kann hierbei Vorgaben aus den Sozialwissenschaften, aus der Psychologie, aus den Naturwissenschaften und aus den Geschichtswissenschaften in geeigneter Weise zusammen führen und so Vorgaben für künftige Entwicklungen geben.  

12.  Aus diesem durch die Philosophie formulierten Entwurf können dann wiederum Vorgaben für den künftigen Einsatz von Technologien erstellt werden. Dies kann in unserem Beispiel z.B. Vorschläge beinhalten, in welchem Tempo fossile Energien durch Erneuerbare Energien ersetzt werden müssen. Danach kann wiederum bestimmt werden, welche Kosten sich aus diesen Maßnahmen ergeben.