Kralle, die philosophische Katze,

fragt sich heute

Zwischenzeitlich gesund?

Ist Gesundheit eine wacklige Brücke über dem Abgrund?

Und wer kümmert sich nun um Kralle?

Krankheit ist ein Leiden. Und wir wissen: Das Leiden soll nicht sein! Trotzdem: Wenn wir krank sind, ist es da. Damit beginnt der Ernst des, wie ich es nennen möchte, pathischen Fragens. Sobald wir das Leiden aus dem Blick verlieren, löst sich unser Denken in Unverbindlichkeit auf und füllt nur noch Publikationslisten und Talkshows. Daher ist die Realität der Krankheit, des Schmerzes usw. wichtig: Sie zwingt und befähigt uns, die Wahrheitsfrage festzuhalten. Pathisches Denken ist ein Nach-Denken: Es ist selbst ein Leiden in geistiger Gestalt. Wer sich darauf einläßt, übernimmt Verantwortung. Das Dasein des Leidens wird zum Gebot, sein Nichtsein zu betreiben.

Man ahnt: Eine abschließbare Erfolgsgeschichte kann dieser Weg nicht sein. Diese Unabschließbarkeit macht uns befangen. Eine metaphysische Versöhnungstheorie wird es nicht geben. Wenn das aber so ist: Haben dann nicht vielleicht das Leiden, die Krankheit, die Krise überhaupt das letzte Wort? Der Sinn des Lebens, aber letztlich auch der Sinn der Welt stehen auf dem Spiel. In dieser Lage gilt: Wir lassen nicht zu, was nicht sein darf. Es braucht den Trotz gegen das Falsche. Am Leiden wird es evident: Ich weiß das das Falsche als das Falsche. An dieser Gewißheit kann selbst Sinnlosigkeit nichts ändern. Also 'mache ich ernst' mit dem Leiden. Ich nehme es nicht hin.

 

Text von Dr. Hartwid Wiedebach, ETH Zürich

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Apropos: Auf Philosophie.ch finden Sie eine ganze Sammlung zu Blogbeiträgen rund um das Thema Gesundheit. Auch der Bezug zur angewandten Ethik geht dabei nicht vergessen. Sie möchten wissen, was Angewandte Ethik ist? Lesen Sie hier mehr dazu.