Kralle, die philosophische Katze,

fragt sich heute

#nofuture = Leben im Moment?

Kralle hat Befürchtungen, dass die Zukunft ziemlich schwierig werden könnte. Ist diese Haltung gerechtfertigt?

Der Zusammenhang von Philosophie und Zukunft ist thematisch breit gefächert. Hierbei kann es beispielsweise darum gehen,

- wie wir unser gesellschaftliches und politisches Zusammenleben zukünftig gestalten wollen,
- welchen utopischen oder dystopischen Szenarien wir bevorstehen,
- welche Zukunftsängste vorhanden sind,
- wie wir mit Nachhaltigkeit umgehen (sollen?),
- in welche Richtung wir (ökonomisch) wachsen,
- was unter „Zeit“ zu verstehen ist,
- oder, um Möglichkeiten und Grenzen unseres technischen Fortschrittes und der künstlichen Intelligenz…

 

Zeit

Jeder von uns meint zu wissen, was Zeit ist. Schliesslich bedarf es einer Zeitachse, damit wir Vorkomnissen eine Dauer zuschreiben können, die irgendwann anfangen und irgendwann aufhören. Ob wir nun über weit in der Vergangenheit zurückliegende Erinnerungen nachdenken oder Vorstellungen über zukünftig eintretende Ereignisse ausarbeiten, stets orientieren sich diese an unserer individuellen Zeitachse. Unsere Zeitvorstellung zeichnet sich dadurch aus, dass sie als einziger, gleichmässig-kontinuierlicher Strang immer von der Vergangenheit über die Gegenwart hinweg auf die Zukunft gerichtet ist.

Die Philosophin Karen Gloy schrieb zu unserer Zeitvorstellung: „Sie nimmt die Gesamtheit der Gegebenheiten der Welt in sich auf und ordnet sie hinsichtlich ihrer Stellung und ihres Verhältnisses zueinander. Wie Newton sich den Raum als eine unendlich grosse Weltschachtel vorstellte, die alle räumlichen Dinge in sich aufzunehmen qualifiziert war, so stellte er sich die Zeit als einen unendlich grossen ewigen Zeitfluss vor, der alle zeitlichen Dinge in sich enthalten sollte. Die Einsteinsche Relativitätstheorie hat uns belehrt, dass die Vorstellung einer einzigen unendlichen Zeit eine Idealvorstellung ist, eine Hypothese, und die tatsächliche Zeitordnung von Früher, Später und Gleichzeitigkeit vom jeweiligen Bezugssystem abhängt.“ (1)


Das Thema Zukunft bietet, neben den unterschiedlichen Zeittheorien und ihren philosophischen Folgefragen, aber noch weitaus mehr an offenen Untersuchungsgegenständen. Es fragt sich beispielsweise, wie wir uns sprachlich überhaupt auf etwas beziehen können, was noch gar nicht real ist? Wie also kann es sein, dass wir uns um Wetterprognosen, volkswirtschaftliche Szenarien oder politische Utopien kümmern?
Die Unsicherheiten, welche die Zukunft birgt, lösen beim Menschen zahllose Versuche aus, diese möglichst schon im Vorhinein zu klären. Sei dies im Bereich der Verantwortung, welche sich auf zukünftige Generationen bezieht, oder hinsichtlich den technologischen Entwicklungen, die bis hin zu einer übermenschlichen Superintelligenz Fragen nach möglichen Handlungsoptionen in der Gegenwart aufwerfen.

Auch Philosophinnen und Philosophen sind darum bemüht, sei es im Bereich Entwicklungszusammenarbeit oder der Arbeit, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, um die Zukunft „besser“ gestalten zu können.

In den Worten von Albert Einstein zeigt sich auch der Mut, mit welchem wir Menschen den möglichen Zukünften entgegen schauen könnten, um diese entsprechend unserer Visionen mitgestalten zu können:

„Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen.“

 

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Quelle: 1. Karen Gloy, Philosophiegeschichte der Zeit, Wilhelm Fink Verlag München, 2008, S.15