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Einführungstext Oktober

Gedanken zu Sprache, Politik und allem dazwischen

Diesen Monat thematisieren die Blogbeiträge viel Politisches, die Sprache und den Sprachgebrauch. Die Gedanken drehen sich auch um die Bedeutung des kritischen Denkens sowie um die Persönlichkeitsentwicklung zum Autonomen Bürger. Es geht dabei um Vorbedingungen für das Funktionieren einer Demokratie, über die Weiterentwicklung der Gesellschaft, über das kritische Denken, das wertvoll für Wissenschaft und Gesellschaft ist, sowie um die Demokratie-Fähigkeit einzelner und die soziale Verantwortung von uns allen. Gespannt? Lesen Sie selbst!

 

Politik und Sprache

Im ersten Teil von „Die Demokratiekrise –Eine Wahrheitskrise?“ beschreibt Christian Budnik das Vertrauen in die Politik (bzw. das Vertrauen von den Bürgern in ihre Politiker) als eine der wichtigen Grundlagen für die moderne liberale Demokratie. Lügen, Unaufrichtigkeit und Unwahrheit hingegen zerstören dieses Vertrauen. Als mögliche Konsequenz folgert Budnik, dass Bürger an politischen Entscheidungsfindungsprozessen nicht mehr teilhaben (wollen). Bedeutet das den Untergang der Demokratie? Oder ist das Verhältnis von Demokratie und Wahrheit zu kurz gefasst?

Budnik geht es eher um „wahrheitswidrige“ Strategien der Politiker. Diese „wahrheitswidrigen“ Strategien erklärt er ausführlich anhand von zwei fiktiven WG-Dialogen, um die Struktur der genannten Strategien zu veranschaulichen. Wie sprechen Leute „wahrheitswidrig“?

 

So kann er im zweiten Teil von „Die Demokratiekrise –Eine Wahrheitskrise?“ wieder auf die Politik, die gewählten Politiker mit Regierungsverantwortung und die Demokratie eingehen. Er fordert zum Schluss einen Standard an Begründung und Rechtfertigung von Aussagen, der als Vorbedingung für das Funktionieren der Demokratie gilt.

 

Sprachgebrauch und der Political Correctness als Kampfbegriff?

In “Political Correctness und Tugendterror” analysiert Dr. Susanne Moser zunächst die Geschichte des Begriffs „Political Correctness“. Denn durch die von den nordamerikanischen Universitäten in den 1960er-Jahren ausgehende Bürgerrechtsbewegung, wurde der Begriff „Political Correctness“ gebraucht, um Sprache und Verhalten moralpolitisch Beurteilen zu können. Gehofft wurde, durch die veränderte Sprache bzw. den veränderten Sprachgebrauch, die Diskriminierung von Minderheiten abzuschaffen. Moser führt weiter aus, wie jeweils Linke und Rechte den Begriff für ihre eigenen Zwecke gebraucht haben und kommt dabei bis zu heutigen Debatten. Wo besteht aktuell denn ein „Tugendterror“ der „Political Correctness“?

Mithilfe eines Argumentes von John Stuart Mill betont Moser, dass es wichtig sei, verschiedenen Positionen, auch wenn sie noch so widersprüchlich sind, Gehör zu verschaffen. Denn dies sei für die Weiterentwicklung der Gesellschaft unerlässlich.

 

Das kritische Denken als Wert für Wissenschaft und Gesellschaft

In „Kritisches Denken in Forschung und Lehre fördern“ diskutiert Norman Sieroka die Idee, dass die universitäre Philosophie eine zentrale Rolle zur Förderung einer kritischen Grundhaltung einnehmen sollte. Ein „kritisches Denken“ ist hier als ein anhaltendes Bewusstsein sachangemessenen Urteilens gemeint. „Denn auf Nachfragen sollte ein Wissenschaftler seine Begrifflichkeiten, Forschungsfragen und sein experimentelles Vorgehen rechtfertigen können.“, schreibt dabei Sieroka. Er argumentiert weiter, dass diese Fähigkeit eine wichtige Art ist, wie man Verantwortung zeigen kann. Denn das im Beitrag angesprochene kritische Denken ist letztlich nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Gesellschaft, wertvoll.

 

Wie werden wir autonome Bürger?

Marianne Meister geht im Beitrag „Persönlichkeitsentwicklung. Ein Beitrag zum Thema Selbstwerdung und Reifung zu sozialer Verantwortung“ (Veröff. 29.10.) zunächst auf C.G. Jungs Individuation als Selbstwerdungsprozess ein. Dieser natürliche Entwicklungsprozess umfasst viele verschiedene Beziehungen: Die Beziehung mit sich selbst, die Beziehung mit den Mitmenschen und die Beziehung mit der Umwelt. Was sind aber die notwendigen Bedingungen für eine ungestörte Persönlichkeitsentwicklung? Denn selten verläuft der Selbstwerdungsprozess einer Person ungestört und linear. Wie entfalten wir uns also zu starken, autonomen, selbstverantwortlichen und sozialen Individuen?

Die Ausbildung und Formulierung eines eigenen Standpunktes, aber auch das Anerkennen anderer Standpunkte sind dabei für Meister wichtige Grundlagen für die Demokratie-Fähigkeit. Entstehen nur so autonome Bürger, die soziale Verantwortung übernehmen?

 


 

Weiterführende Literatur zum Thema auf Philosophie.ch

  • Sprichst du mit mir?: Ein Essay über J.L. Austin, Jaques Derrida, die Sprache und Sprachphilosophie
  • Selbstbewusstsein und Selbstwissen: Für uns Menschen spielt Selbstwissen eine zentrale Rolle. Nicht als das, was uns als bewusstseinsfähige Lebewesen auszeichnet, sondern als das, wodurch wir rationale und selbstkritische Subjekte werden.