Blogbeitrag Philosophie aktuell

Die Frage nach Gerechtigkeit

Die Frage nach Gerechtigkeit ist eine nimmer endende, die entweder beantwortet zu werden pflegt mit der These, dass es keine Gerechtigkeit auf Erden gibt oder dass sie von Epoche zu Epoche und Kultur zu Kultur wechselt.

Meine These ist, dass die einstige Einheit von geraden, richtigen Wegen (‚gerecht’ kommt etymologisch von ‚richtig’, ‚gerade’, ‚aufrecht’), ethisch-moralischem Verhalten entsprechend den vorgezeichneten Wegen und den justiziablen staatlichen Gesetzen, die ursprünglich im Alten Ägypten bestand und für Stabilität sorgte, im Laufe der Geschichte zerbrochen und auseinandergefallen ist, so dass heute nach dem Zerfall die justiziablen Gesetze nicht immer mehr dem moralischen Verhaltenskodex entsprechen, sondern oft hinterherhinken oder antizipierend vorangehen, und das moralische Verhalten keine objektiven Anhaltspunke mehr hat, sondern subjektiv und relativ geworden ist. Das zeigt auch der permanente Wandel ethischer Vorstellungen und erst recht die permanente Neujustierung von Gesetzen und Vorschriften. Was früher strafbar war, ist heute gängige und erlaubte Praxis, z.B. war Steuerhinterziehung früher allenfalls ein Kavaliersdelikt und ist heute eine Straftat, Homosexualität galt im 19. Jh. für illegitim und ist heute legitim usw.


Auch das Thema der Menschenrechte kommt nicht zu kurz, wobei ich die Meinung vertrete, dass die Menschenrechte ein typisch westliches, historisch entstandenes Kulturprodukt aus der Zeit der Aufklärung sind, das von anderen Kulturen aufgrund anderer religiöser, kultureller, geographischer oder linguistischer Bedingungen nicht geteilt wird und deren universelle missionarische oder kriegerische Aufoktroyierung einen Eurozentrismus verrät. Es gibt nicht den Menschen schlechthin (allenfalls physiologisch), sondern nur den sprachlich und kulturell geprägten Menschen. Unser westliches Menschenbild ist ein typisch egozentrisches und ergozentrisches (aktives) schon aufgrund der indoeuropäischen Sprachstruktur: „ich will“, „ich tue das und das“, das sich von anderen pathozentrischen (passiven) Sprachen oder interdependenten Selbstbewusstseinsbeziehungen prinzipiell unterscheidet. Es ist gut, einmal kritisch über seine eigenen eingeschliffenen common sense-Vorstellungen und Vorurteile nachzudenken und den Medien nicht alles nachzusprechen.

Frage an die Leserschaft

Ist Gerechtigkeit gleichbedeutend mit Gleichheit?