Was ist Kreativität?

Am 25. November 2019 von 20:00-21:30 Uhr sprechen wir mit Dr. Julia Langkau über Kreativität!
Café Kairo, Dammweg 43, 3013 Bern
20:00 - 21:30

Während sich Psychologen seit den 1950er Jahren intensiv mit Kreativität befassen und es eine grosse Bandbreite an Ratgebern gibt, die uns darin anleiten wollen, kreatives Denken und Handeln in Alltag und Beruf umzusetzen, hat die Philosophie sich bisher nur wenig mit dem Phänomen befasst. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war es verbreitet, Kreativität für eine angeborene Eigenschaft zu halten, die weder lern- oder lehrbar, noch rational erklärbar ist. Damit eng verbunden ist der Begriff des Genies. Erst in den letzten Jahren hat das Thema in der Philosophie an Aufmerksamkeit gewonnen. Wir werden den Fokus auf nicht-instrumentelle, künstlerische Kreativität legen.

Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass ein Produkt, etwa ein Kunstwerk, dann kreativ ist, wenn es neu und in irgendeiner Weise überraschend ist und wenn wir es ausserdem wertschätzen. Nun kann allerdings sowohl das Werk eines Hobbymalers als auch dasjenige eines grossen Meisters “kreativ” genannt werden. Während das erste möglicherweise nur Bekanntes neu kombiniert, mag das Werk des grossen Meisters radikal neu sein. Wir müssen daher verschiedene Arten kreativer Prozesse unterscheiden, die zu unterschiedlichen Arten von kreativen Produkten führen. Neben Werken und Prozessen können auch Personen “kreativ” genannt werden, und einige Philosophen sind bereit, den Begriff Träger künstlicher Intelligenz auszuweiten.

Der Fokus der Diskussion wird auf begrifflichen und phänomenologischen Fragen zur Kreativität liegen. Inwiefern bin ich, wenn ich etwa einen Pullover nach Muster sticke, kreativ? Was zeichnet die Kreativität von Kunstwerken grosser Künstler aus? Sind Computer, die Kunst produzieren können, wirklich kreativ? Gibt es einen Unterschied zwischen Kunstwerken, die missraten aber kreativ sind, und solchen, die einfach nur missraten sind? Inwiefern unterscheidet sich die Phänomenologie des Rezipierens von derjenigen des Schaffens eines Kunstwerks?

Julia Langkau ist SNF Ambizione Fellow in Philosophie an der Universität Fribourg und Mitglied der Forschungsgruppe 'The Aesthetic Mind', die an einem Projekt mit dem Titel "Learning from Literary Narratives" arbeitet. Sie war von August 2017 bis April 2018 Gastwissenschaftlerin an der University of Miami (USA). Bis 2012 war sie Doktorandin im Projekt 'Philosophische Methodik' am Arché Research Centre for Logic, Language, Metaphysics and Epistemology an der University of St Andrews (Scotland).