Selbstbestimmung und Freiheit - mit Prof. Dr. Martino Mona

Im Café Kario in Bern diskutieren wir mit Prof. Dr. Martino Mona über Selbstbestimmung und Freiheit. Melden Sie sich jetzt an!
Café Kairo, Dammweg 43, Bern
20:00 - 21:30

Am 04. März 2019 diskutieren wir mit Prof. Dr. Martino Mona über Selbstbestimmung und Freiheit

In einem liberalen Staat ist die Einschränkung der individuellen Freiheit nur zulässig, wenn sie zugunsten eines konkurrierenden Rechts oder eines plausibel begründbaren Ziels erfolgt und der Eingriff im konkreten Fall geeignet, notwendig und dem Träger des Berechtigten Rechts zumutbar ist. Das Individuum soll im Rahmen einer gesetzlichen Ordnung Entscheidungen treffen dürfen, die auf ihn bezogen sind und sein eigenes Leben betreffen. Dieses Konzept nimmt zu Gunsten des Individuums an, dass es grundsätzlich fähig ist, sein Leben nach eigenen Idealen, Präferenzen und Wünschen zu gestalten. Menschen sollen Rechte haben, weil sie grundsätzlich autonom und selbstbestimmt sind; sie haben Rechte, um Hindernisse und Interferenzen durch Dritte abwehren zu können.

Was geschieht nun aber, wenn – was zunehmend der Fall ist – dieser Ansatz kritisiert wird mit dem Einwand, der Mensch sei in Wahrheit grundsätzlich gar nicht frei, autonom und fähig, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten? Wenn man im Konzept der individuellen Selbstbestimmung ein elitäres Menschenbild erblickt oder eine blosse Leerformel? Wenn beispielsweise gesagt wird, dass es freiwillige Entscheidungen gar nicht geben könne, dass Entscheidungen der Individuen nur scheinbar selbstbestimmt seien, weil sie immer unter diskursiv und normativ vorgeprägten Rahmenbedingungen stattfinden würden, ja dass es ein „Selbst“ des Individuums, das bestrebt sei, die Verfügungsgewalt über sich selbst zu haben, und das durch Fremdbestimmung eingeengt werde, gar nicht gebe?

Dann ist das nur vordergründig menschlich und fürsorgerisch. In Wahrheit entzieht man so individuellen Rechten ganz einfach den Boden. Man bahnt dann – oft durchaus unabsichtlich – den Weg zu autoritären oder totalitären Strukturen, in denen die Menschen auch bereit sind, die „Last der Freiheit“, das mühsame Privileg selbst zu entscheiden, für Ruhe, Bequemlichkeit und relative Unbekümmertheit einzutauschen.