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Meisterkurs: Zwei Seiten von Wittgensteins Spätphilosophie

Meisterkurs: Zwei Seiten von Wittgensteins Spätphilosophie mit Felix Mühlhölzer (Universität Göttingen) und Joachim Schulte (Universität Zürich)
Universität Zürich
09:00 - 19:00

Exposé

Im Rahmen einer feierlichen Ansprache hat Michael Dummett einmal gesagt: We have not yet come to terms with Wittgenstein.Als Beschreibung des Verhältnisses der Gegenwartsphilosophie zu Wittgenstein (der, wie man nicht vergessen darf, lange als Avantgarde-Denker der neueren Philosophie galt) dürfte diese Feststellung heute genauso zutreffend sein wie vor dreißig oder vierzig Jahren: Es gibt mehrere Hinsichten, in denen wir mit Wittgenstein noch längst nicht ins Reine gekommen sind. Obwohl Wittgensteins Schriften heute in einer Weise und in einem Umfang zugänglich sind, von dem wir (darunter auch Felix Mühlhölzer und Joachim Schulte) vor fünfzig Jahren nicht einmal zu träumen wagten, scheinen sich die philosophischen Auseinandersetzungen mit Gedanken Wittgensteins auf sehr wenige Texte zu beschränken und dabei in erster Linie auf mitunter fragwürdige englische Übersetzungen dieser Texte zu beziehen.

Vor dem Hintergrund dieser Situationsbeschreibung wollen wir in unserem Meisterkurs stets die Frage im Auge behalten: Welche Strategien der Wittgenstein-Diskussion können sich als besonders fruchtbar erweisen?Da wir beide gern Nachlassmaterial, d.h. Manuskripte und Typoskripte heranziehen, um Wittgensteins Gedanken zu erläutern, kann es nicht ausbleiben, dass solches Material auch bei dieser Veranstaltung zum Einsatz kommt. Allerdings soll der Rückgriff auf das Manuskriptmaterial nicht gelehrter Selbstzweck sein, sondern er soll sich im Zuge der Interpretation bekannter Texte bewähren. Im Zentrum der Betrachtung sollen zwei Gruppen von Bemerkungen stehen, nämlich zum einen die Privatsprachenargumente (Philosophische Untersuchungen, §§243-315), zum anderen der erste Teil der Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik.

Vor allen Dingen geht es uns darum, möglichst fruchtbar und lehrreich über Wittgensteins Bemerkungen zu diskutieren und durch die streng textbezogene Diskussion herauszufinden, welcher Gedankenreichtum unter der womöglich harmlos wirkenden Oberfläche liegt. Um der Diskussion einen gewissen Pfiff zu geben, haben wir uns überlegt, dass jeder von uns beiden in einem Spezialgebiet des jeweils anderen wildert. Das heißt, Felix Mühlhölzer wird einen Text über die Privatsprachenargumentation beisteuern, während Joachim Schulte einen Beitrag zu Teil I der Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik liefert. Diese Texte werden den Teilnehmern spätestens 10 Tage vor Beginn zugänglich gemacht. Die Sitzungen des jeweiligen Tages werden mit einem Resümee des zu besprechenden Papers und einem kritischen Korreferat des jeweils anderen Veranstaltungsleiters anfangen. Der Rest der Zeit soll der von den beiden Basisreferaten ausgehenden Diskussion gewidmet sein.