Dr. Raphael van Riel (Duisburg-Essen). Vom Geist zum Körper - Reduktion ohne Metaphysik

Unitobler, Hörsaal F-122, Lerchenweg 36, Bern
18:15 - 20:00

Zwei Fragen spielen in der Debatte um die Natur oder das Wesen des Geistes eine zentrale Rolle: Gibt es geistige Phänomene? Und, wenn es sie gibt: In welchem Verhältnis stehen sie zu physiologischen und physikalischen Prozessen? Die Antwort auf die erste Frage scheint klar: Selbstverständlich gibt es geistige Phänomene. Wir haben Wünsche und empfinden Schmerzen, wir denken über unsere Umwelt und unsere Mitmenschen nach, und wir können sie mit unseren Sinnen wahrnehmen. Und auch mit Bezug auf die zweite Frage besteht heute weitgehend Einigkeit: Der weit verbreiteten naturalistischen Auffassung zufolge sind bestimmte physikalische und physiologische Prozesse sind die Grundlage geistiger Phänomene. Der Ausfall bestimmter physiologischer Funktionseinheiten, etwa durch Hirnläsionen, kann den Ausfall bestimmter geistiger Fähigkeiten nach sich ziehen, geistige Entwicklung und physiologische Entwicklung korrelieren und durch Intervention auf physiologischer Ebene lassen sich geistige Prozesse beeinflussen. Was aber soll das bedeuten, dass bestimmte physiologische oder physikalische Prozesse die Grundlage geistiger Phänomene bilden? Im Vortrag werden die wichtigsten reduktionistischen und nicht-reduktionistischen Antworten auf diese Frage vorgestellt. Zugleich werde ich eine in dieser Debatte weitgehend geteilte, zentrale metaphysische Annahme problematisieren: Dass es dabei tatsächlich um die Natur des Geistes geht.