Ein Modewort:

Serendipität I

 „Serendipität ist das zufällige Stolpern über etwas  Wundervolles, besonders, wenn man etwas  anderes gesucht hat.“

·

    Serendipität

    Definitionen und Beispiele

    Hier eine praktische Definition zu Beginn: „Serendipität ist das glückliche Finden von etwas (jemandem?), das/den man nicht gesucht hat.“ Oder: „Serendipität ist das zufällige Stolpern über etwas wirklich Wundervolles, besonders, wenn man etwas völlig anderes gesucht hat.“

    Das Wort Serendipität fasziniert viele, ist aber noch nicht im Duden aufgenommen worden. Die Herkunftsgeschichte des Wortes liest sich wie ein Märchen. Schon das erste Mal, als das Wort verwendet wurde, können wir von Serendipität sprechen. Die Wikipedia Deutsch enthält eine lange Liste von Fundstücken und Erfindungen: die Entdeckung Amerikas (eigentlich war Indien gesucht), die Entdeckung der Röntgenstrahlen, die Erfindung von Penizilin und Viagra. Auch der Klettverschluss, Teflon, Post-it, Linoleum, Silikon, der Tea-Bag, Nylon-Strümpfe oder LSD: alle sind serendipitäre Trouvaillen. Ebenso das Geräusch des Universums. Auf der Suche nach einem erfüllten Leben suchen Mann und Frau und begehren Dinge, freuen sich auf Ereignisse, möchten gerne davon Besitz ergreifen oder es für später aufbewahren.
    Serendipität ist ein allgemeines Lebensprinzip Wir könnten sogar so weit gehen und sagen, dass jegliches menschliches Suchen, alle Forschung oder Entdeckungen diesem Prinzip unterworfen sein können. Alle wichtigen menschlichen Aktivitäten sind Teil einer Strategie zur Suche   nach dem Glück, Vergnügen, Arbeit, Partner, Geschäfte, Wissen und/oder Reichtum.
    Sie ergeben oft nicht das Gewünschte oder Gesuchte. Also viele menschliche Tätigkeiten erreichen nicht das, was die Suchenden sich vorstellten, sondern etwas anderes, etwas manchmal Provisorisches und nicht das sich Vorgestellte. Sogar wenn wir an Religionen denken: Der imaginierte Gott ist vielleicht nicht der, für den wir ihn hielten, sondern ein serendipitäres Fundstück unter den Tausenden von Göttern, welche sich Menschen vorgestellt haben.
    Es scheint denn nun also richtig, im Konzept der Serendipität einen allgemeineren Zustand des Seins und des Suchens nach Seinsmöglichkeiten zu sehen. Vielleicht müssen wir nicht so weit gehen und sagen, dass alles Suchen vergeblich sei oder dass nur wenige Ziele überhaupt erstrebbar seien. Aber ein fatalistisches Akzeptieren der Dinge und Lebensinhalte, die wir im Leben finden, mag hilfreicher sein, als das Lamentieren darüber, dass man nicht findet, was man sucht.
    Jedes Suchen hatte schon immer als mögliches Resultat ein serendipitäres Finden von etwas Unerwartetem. Wie war das mit der Suche nach dem Heiligen Gral, was erhoffte sich und fand Don Quijote, oder Proust mit seiner „Recherche du Temps Perdu“, die natürlich viel mehr ist als nur das. Dies sind nur drei Beispiele aus den Weiten der Weltliteratur. Aber was suchen Menschen wirklich?

    Die Suche nach Liebe

    Es gibt die verbreitete Ansicht, dass eine Person, die sich nach Liebe sehnt, dieses Gefühl nicht erzwingen kann, sondern darauf zu warten hat, dass die Liebe ihn/sie findet. Dies ist scheinbar ein Bereich, in dem Serendipität zuschlägt oder auch nicht. Diese Ungewissheit verwirrt und schmerzt natürlich die Suchenden. Die armen sehnsuchtsvollen Seelen verwenden Projektionen und wissen oft ganz genau, was sie suchen.

    Wenn dann ein mögliches „Opfer“ für ihre Sehnsüchte auftaucht, finden sie nicht, wen/ was sie gesucht haben,  sondern erhalten etwas/jemand anderes. Wenn sie ihre Erwartungen tief halten oder gar keine hatten, kann das Gefundene nicht mit dem Gesuchten verglichen werden und taucht darum als „unerwartet“ auf, als ein „Geschenk“, ein „Schatz“, welcher dem/der Gewinnenden zufällt. Wer aber im Vorfeld Projektionen für das gesuchte Objekt macht, dem winkt da die Frustration, wenn gut sich als schlecht erweist, Schönheit als hässlich, Intelligenz als Dummheit, Hass statt Liebe auftaucht, Langeweile und nicht erfülltes Leben zu zweit, Freund wird zu Feind: So kann es gehen, wenn Serendipität die Karten neu mischt.

    Das Verlangen nach Berühmtheit

    You can’t always get what you want
    But if you try sometimes
    well you just might find
    You get what you need. (Rolling Stones)

    Viele bemühen sich um Anerkennung oder sogar Berühmtheit. Manche erreichen das nicht, aber vielleicht Reichtum. Wem beides nicht gelingt, der/die ist oft frustriert, und beneidet andere, die wirklich „oben angekommen“ sind. Betrachten wir nur mal das Los von Leuten, die wir alle kennen. Die Rolling Stones singen in „You Can’t Always Get What You Want“ eine hedonistische Hymne für den augenblicklichen Instant-Genuss. Sie hatten sich sehr bemüht um Ruhm und Reichtum und beides hat sich in unvorstellbarem Ausmass eingestellt. Also ein Leben ohne den Einfluss der Serendipität? Dazu verdammt, mit ihrer Musik monatelang täglich aufzuspielen, muss es doch auch bei ihnen Tage geben, wenn sie lieber etwas anderes tun würden. Ihre zahlreichen Affären, Heiraten und Kinder waren in ihren Augen sicher begehrenswert, aber die Rolle des seriösen Familienvaters oder des Geschäftsmanns, der sich um seine Reichtümer kümmern muss, dies waren vielleicht nicht die erwünschten Nebenwirkungen des erstrebten Erfolgs. Brauchten sie dies auch? Die Serendipität nickt. Hier könnten wir auch einige Gedanken über den Erfolgshunger von berühmten Fussballstars oder Tennisspielern verlieren. Vielleicht war es nicht ihre ursprüngliche Absicht, als Modeikonen zu enden und dümmlich in die Kamera zu grinsen.

    Suchmaschinen bringen noch mehr Serendipität

    Google erschien erst vor zwanzig Jahren im Internet. Seither hat es einen weltweit führenden Status erreicht, dominiert die Suchfunktion und entwickelte eine Reihe anderer Applikationen. Natürlich sind wir überfordert und verwirrt durch die enorm grosse Anzahl von Suchresultaten, welche augenblicklich auftaucht, auch wenn wir nur die ersten paar Resultate anschauen. Aber das sind nur die am häufigsten angetippten oder logischsten Ergebnisse und müssen nicht unbedingt dem entsprechen, was wir suchen. Die Maschine entscheidet, welches das zutreffendste Resultat ist, nicht wir. Das ist doch reine Serendipität! Und wenn wir das heutige Internet anschauen, sehen wir sehr viel Werbung, was nicht immer so war. Werbung ist nicht, was wir am meisten begehren, aber die Einnahmequelle der Internet- Giganten: wieder ein feines Beispiel von Serendipität. Bei der Suche nach einer alternativen Suchmaschine bin ich über Ecosia.org gestolpert. Was finden wir da? Eine grüne Suchmaschine, die in Berlin stationiert ist.

    Und die hatten die gloriose Idee, an verschiedenen Orten auf der Welt Bäume zu pflanzen als Kompensation für ihren  Energieverbrauch und damit die Umwelt zu schützen. Serendipität!