Kralle, die philosophische Katze,

fragt sich heute

Wann weiss ich etwas?

Hängt Wissen von Bedingungen ab? Und wenn ja, welchen?

Kralle möchte nicht nur etwas behaupten, sondern über hieb und stichfestes Wissen verfügen!

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Ob ein Gegenstand tatsächlich existiert, ist auch eine Frage von Wahrnehmung und Erfahrung. Logik kann zwar wahre Schlussfolgerungen, aber noch kein Wissen über die Welt liefern.

Ausgangspunkt philosophischer Analysen von Wissen ist die Annahme, dass sich ein Ausdruck wie „wissen, dass“ in bestimmte Eigenschaften aufschlüsseln und mehr oder weniger abstrakt rekonstruieren lässt. So wird Wissen seit Platon traditionell aufgefasst als: „S weiß, dass p“, wobei „S“ für das Subjekt steht, dass etwas weiß, und „p“ für den propositionalen Wissensinhalt, über den S verfügt. Wissen ist lässt sich dann durch drei Bedingungen rekonstruieren:

(i) Überzeugungsbedingung: S muss über eine Meinung verfügen, denn eine Behauptung, die S selbst nicht besitzt, kann auch nicht Teil seines Wissens sein.

(ii) Wahrheitsbedingung: S muss über wahre Überzeugungen verfügen, denn falsche Überzeugungen können nicht gewusst werden.

(iii) Rechtfertigungsbedingung: S muss gute Gründe für seine Meinung haben, denn andernfalls könnte es bloß Zufall sein, dass S an p glaubt.

Wissen ist demnach dreifach bedingt zu verstehen: S weiß, dass p dann, und nur dann, wenn S an p glaubt, p wahr ist, und S gute Gründe hat, an p zu glauben. Wissen ist also wahre gerechtfertigte Meinung.

Neue Ansätze gehen aber davon aus, dass Rechtfertigung nicht allein dadurch gegeben ist, dass ein Subjekt gute Gründe hat, mithin Evidenz vorliegt. Rechtfertigung sei vielmehr gebunden an eine hohe objektive Wahrscheinlichkeit dafür, dass diese Gründe auch tatsächlich wahr sind und Zufall ausgeschlossen wird. Die Suche nach einer weiteren Bedingung für Wissen ist unter dem Gettier-Problem bekannt.

Nun haben Überzeugungen aber bekanntlich viele Quellen, vor allem psychologische. Dazu gehören: Wünsche, emotionale Bedürfnisse, Vorurteile und Neigungen. Dass Überzeugungen – selbst wenn sie wahr sind – derartigen Quellen entspringen, reicht allerdings noch nicht zur Qualifizierung als Wissen aus. Denn wahre Überzeugungen müssen aus Quellen entspringen, die wir aus guten Gründen für zuverlässig halten. Kandidaten könnten etwa sein: Sinneswahrnehmung, Introspektion, Gedächtnis, Intuition oder auch Zeugenaussagen.

Wir halten zwar gewöhnlich unsere Sinneswahrnehmung für zuverlässig. Aber wie können wir wissen, dass sie zuverlässig und nicht beispielsweise Halluzination sind? Es scheint als könnten wir nur Wissen darüber erlangen, dass unsere Sinneswahrnehmung zuverlässig ist, indem wir z.B. unser Gedächtnis befragen. Aber sollte ich meinem Gedächtnis immer trauen? Falls ja, dann braucht es auch dafür eine Begründung, die plausibel macht, warum mein Gedächtnis zuverlässig ist. Es scheint also, dass es keine nicht-zirkuläre Rechtfertigung der Zuverlässigkeit der eigenen Sinneswahrnehmung gibt.

Die Fragestellungen zum Thema Wissen umfassen z.B.:

  • Was ist Wissen seinem Wesen nach?
  • Was sind notwendige und hinreichende Bedingungen für Wissen?
  • Welchen (internen oder externen) Quellen entspringt Wissen?
  • Wo liegen die Grenzen unseres Wissens?
  • Wodurch werden gerechtfertigte Überzeugungen tatsächlich gerechtfertigt?

Lesen Sie den gesamten Text von Doreen Grusenick zu den Themen "Logik, Wissen, Wissenschaft – oder über das Sein und Nicht-Sein".