PhilosophInnen in der Schweiz

Jana König : Projektleiterin des Intendanten im Luzerner Theater

Lernen Sie die Philosophinnen und Philosophen in der Schweiz kennen. Im Interview bringen wir Ihnen monatlich eine Persönlichkeit näher.

Philosophie.ch: Was gehört zu Ihren jetzigen Hauptaufgaben im Berufsalltag und begegnen Ihnen dabei auch philosophische Fragen?

Jana König: Einerseits arbeite ich als persönliche Mitarbeiterin des Intendanten sehr personenfokussiert und bin bei der Organisation seines Arbeitsalltages kaum philosophisch tätig. Andererseits, und dort stellen sich sehr wohl auch philosophische Fragen, arbeite ich an einem Projekt zur innovativen Organisationsentwicklung. Da kann ich u.a. anwenden, was ich im Studium gelernt habe. Es ist dienlich, sich auf der Metaebene immer mal wieder die Warum-Frage zu stellen: Warum machen wir das, was wir machen? Und warum machen wir es auf die eine und nicht auf die andere Art? Es ist wichtig, dass alle sehen „warum“ sie etwas tun. Auch glaube ich, dass Menschen glücklicher und produktiver sind, wenn sie mitgestalten können und den Sinn in ihrer Arbeit sehen. 

Philosophie.ch: Welche Rolle hat die Philosophie in der Gesellschaft und welche sollte sie haben?

Jana König: Die Antwort auf diese Frage fällt aus meinem Blickwinkel natürlich anders aus, als bei einer Person, die bislang keine Berührungspunkte mit der Philosophie hatte. Für mich liegt das Ziel der Philosophie darin, die Menschen zur Reflexion anzuregen. Die Philosophie soll motivieren, den Status Quo zu hinterfragen. Sei es in der Medizin, dem Kulturbereich oder im Privatleben. 

Philosophie.ch: Was halten Sie von den Aussagen, dass das Philosophiestudium in die Brotlosigkeit führen wird oder, dass PhilosophieabsolventInnen «nichts Richtiges» können?

Jana König: Nichts! Ich habe das studiert, was mich interessiert hat und bereue es nicht. Allerdings musste auch ich mich wegen meiner Studiengangswahl oft genug rechtfertigen. Was ich am Philosophiestudium besonders schätze, ist, dass man erlernt, verschiedene Perspektiven einzunehmen und in ihnen weiter zu denken. Damit nimmt man, wie ich finde, eine sehr wichtige Fähigkeit für seinen Berufsalltag mit.

Philosophie.ch: Was würden Sie den PhilosophInnen für den Berufseinstieg raten?

Jana König: Die Problematik liegt darin, dass die wenigsten Vorgesetzten wissen, was man als Philosophin erlernt hat und welche Fähigkeiten man mitbringt. Daher finde ich es wichtig, dies bei der Bewerbung herauszustellen und schon während des Studiums, das eigene Profil z.B. durch ehrenamtliches Engagement oder Praktika zu schärfen. Auch hilft es beim Berufseinstieg, wenn man auf ein breites Netzwerk zurückgreifen kann. 

Philosophie.ch: Was hat Ihnen die vertiefte Auseinandersetzung mit der Philosophie gebracht? Inwiefern war diese Auseinandersetzung nützlich?

Jana König: Die philosophische Auseinandersetzung hat mich gelehrt, unterschiedliche Sichtweisen einnehmen und verorten zu können. Dies ist nicht nur im beruflichen Umfeld, sondern auch im Privaten wichtig. So gilt es immer wieder aufs Neue herauszufinden, was für einen selbst Sinn macht.