Blogbeitrag von Franziska Wettstein

Wenn sich ein Philosoph fragt, ob er ein gutes Leben hat.

Geht es um ein gutes Leben, also ein Leben das gut ist, oder ist das gute Leben ein Konzept mit klarer Bedeutung?

Geht es um ein gutes Leben, also ein Leben das gut ist, oder ist das gute Leben ein Konzept mit klarer Bedeutung? Was bedeutet denn gut in diesem Zusammenhang? Bedeutet es glücklich, moralisch gut, erfolgreich oder etwas ganz anderes? Bezieht sich gut auf die Funktion des Lebens, oder den Inhalt?

 

Auf was bezieht sich die Frage überhaupt? Die Gegenwart, die Vergangenheit, oder das Leben als Ganzes, einschliesslich der Abschnitte die man noch nicht erlebt hat, womit erst festzustellen ist, ob ein Leben gut war, wenn es zu Ende ist?

 

Wer beurteilt überhaupt ob mein Leben gut ist? Liegt das an mir oder können nur Experten in dieser Frage solch' eine Bestimmung vornehmen? Gibt es also einen objektiven Massstab, an dem man sich bei der Bewertung ausrichten muss? Oder ist das eigene Leben gut, wenn man entscheidet, dass es gut ist, egal nach welchen Kriterien man vorgeht?

 

Müssen wir jedes kleinste Detail des Lebens bewerten um herauszufinden ob das Leben gut ist? Muss alles gut sein, oder wie viel Prozent davon? Ist die Bestimmung eines guten Lebens nur in Science-Fiction Szenarien möglich, in denen ein Leben mit allen Einzelheiten aufgezeichnet werden kann, und von einem Computer ausgewertet wird.

 

Gibt einem das Wissen über den Status seines Lebens etwas, oder ist es irrelevant, das es lediglich eine Eigenschaft des Lebens ist (falls dies der Fall ist) und es auf das Leben keinen Einfluss hat. Aber vielleicht hat ja die Antwort auf die Frage genau einen solchen Einfluss: hat man kein gutes Leben, kann man vielleicht ein gutes Leben anstreben.

 

Ich glaube das keine dieser Fragen zu beantworten ist, da es in dem Phänomen, dass wir Leben manchmal als gut und manchmal als schlecht bezeichnen zu wenig Einigkeit gibt. Auch glaube ich nicht, dass ein gutes Leben eine Art Naturerscheinung ist, die man mit einem Messgerät empirisch beurteilen kann. Prima facie würde dies die Ansicht empfehlen, dass es kein Konzept des guten Lebens gibt, und dass jeder selbst entscheiden soll, was er darunter versteht. Dies steht jedoch im Widerspruch mit dem Phänomen, dass viele Menschen gern einen objektiven Massstab hätten, an den sie ihr Leben angleichen können, in der Erwartung einer positiven (auch wenn die Bedeutung von „gut“ nicht klar ist, so meint man doch stets etwas positives damit) Verbesserung. Das heisst natürlich nicht, dass es einen solchen objektiven Massstab gibt, denn der reine Wille implizert keine Möglichkeit.