Blogbeitrag von Professorin Dagmar Fenner

Glück und gutes Leben

Die meisten Menschen fragen nach dem „guten Leben“, weil sie sich von einem „guten Leben“ Zufriedenheit und Glück versprechen.

Seit der Antike wurden „Glück“ und „gutes Leben“ oft auch in der Philosophie austauschbar verwendet. Das Glück als ein Zustand höchster positiver Gefühle meint aber nicht genau dasselbe wie das gute Leben. Es bezieht sich nämlich in erster Linie auf die emotionale Seite des „guten Lebens“: Es sind die als höchst positiv erlebten Gefühle, die sich einstellen, wenn wir gut leben. Während das „gute Leben“ also eine Angelegenheit der Reflexion und des bewusst gestalteten Lebensvollzugs darstellt, ist das sich einstellende „Glück“ nicht direkt planbar, sondern ein Resultat, sozusagen die Begleiterscheinung eines guten Lebens. Wenn wir überzeugt sind, dass wir ein gutes Leben führen, erfüllt uns dies mit einem tiefen, lang anhaltenden Gefühl von Zufriedenheit oder einem Lebensdauerglück. In der Philosophie hat man sich stets nur für diese Art von Glück als dauerhafte, auf die Qualität des ganzen Lebens bezogene Erfüllung interessiert. Mit der Rede vom „guten Leben“ grenzt man sich ab vom „schnellen“, machbaren, käuflichen oder angeblich einfach erlernbaren Glück, wie es uns im Zuge der gegenwärtigen Ökonomisierung und Kommerzialisierung des Glücks von der Werbeindustrie und simplifizierenden psychologischen Programmen verheißen wird.

Über die Autorin

Beitrag von Professorin Dagmar Fenner, Universität Basel