Diskutieren Sie mit im Café Kairo!

Im Café Kairo in Bern wird auch im Jahr 2019 von August bis November jeweils am letzten Montag im Monat ab 20 Uhr fleissig philosophiert und diskutiert. Melden Sie sich jetzt an!

Am 26. August 2019 diskutieren wir mit Prof. Dr. David Dürr

Klimakrise: Demokratie als Problem, Anarchie als Lösung?

"Klimahype!", ruft die SVP und wettert gegen den "sozialistischen Umverteilungswahn", den die politische Fixierung aufs Klima mit sich bringe. Gleichzeitig betont Parteipräsident Rösti, wie wichtig gerade angesichts des Klimawandels die Subventionierung der Schweizer Bauern sei, und stimmt in diesem Punkt mit vielen linken und grünen "Umverteilungswahnsinnigen" überein. Die Jungfreisinnigen nehmen den Ball der Klimabewegung auf, um sich für eine nächste Generation von staatlich subventionierten Atomkrafwerken stark zu machen, und ihre Mutterpartei die FDP fordert in ihrem Klimapapier jetzt auch ganz offen mehr Staat. Währenddessen finanzieren die Banken munter die Kohle- und Erdölgewinnung rund um den Globus, im Wissen, dass ihnen die gewählten Politikerinnen und Politiker im Notfall via Nationalbank aus der Patsche helfen werden.

Vor diesem Hintergrund stellt uns David Dürr die Frage, ob nicht gerade beim Thema Klima offensichtlich werde - oder zumindest denkbar, dass das Problem Demokratie, Politik und Staat heisst, und die Lösung Anarchie. Prof. Dürr ist Anwalt, Notar und Anarchist mit Schalk und Ernsthaftigkeit. Nach einer 20-minütigen Einführung diskutiert er mit uns über seine Thesen.

Dieser Diskussionsabend ist als Kick-Off Teil des Philosophie.ch Kurses Klimapolitik trotz Unsicherheit?

Prof. Dr. David Dürr

Am 30. September 2019 philosophieren wir mit Dr. Martin Mosimann

Ich und der Andere - Für einen Individualismus der Vielfalt

Martin Mosimann spricht sich in seinem neuen Buch gegen einen herkömmlichen Individualismus aus und für einen Individualismus, der erst zu Vielfalt führt, wenn er aus der Begegnung aller Individuen erwachsen ist. Der herkömmliche Individualismus geht in die Irre. Denn bei aller Einzigartigkeit, die der Einzelne sich zuschreibt, ist er doch kein Produkt seiner selbst. Vielmehr braucht er die Anderen als bewunderndes Publikum und bedient sich der bekannten Vorstellungen seiner Welt. Mit der Siegermentalität, die ihm eigen ist, bringt er die Anderen zum Verschwinden. Erst aus der Begegnung der Individuen geht aber eine Welt hervor, die sich durch Vielfalt auszeichnet und reich an Inspiration ist. Freilich muss dazu jedes Individuum den Mut aufbringen, das ihm Eigene und Neue in die Welt einzubringen.

Wir freuen uns sehr mit euch zusammen das Grenzgebiet zwischen Individuum und dem/den Anderen und Autarkie und Abhängigkeit auszuloten.

Martin Mosimann studierte Germanistik, Philosophie, Geschichte des Mittelalters und Geschichte der Neuzeit an der Universität Basel. Nach seiner Promotion zum Thema Die «Mainauer Naturlehre» im Kontext der Wissenschaftsgeschichte war er als Gymnasiallehrer und Publizist tätig.

Weitere Infos hier.


Am 28. Oktober 2019 sprechen wir mit Dr. Kevin Reuter

Wie die Moral unser Denken beeinflusst

Moralische Bewertungen sind ständige Begleiter unserer Gedanken: „Hat sich Susanne angemessen verhalten?“, „War Philipps Aussage fair?“ Trotz der großen Wichtigkeit von moralischen Bewertungen für unser menschliches Zusammenleben, glauben wir jedoch, dass es Bereiche unseres Denkens und Redens gibt, die davon nicht betroffen sind: Ob wir meinen eine Person hätte mit Absicht gehandelt oder nicht, oder ob sie traurig oder glücklich ist, ist doch unabhängig davon, was wir von dieser Person halten. Neue Studien zeigen, dass dieses Bild einer von Moralität unabhängigen Perspektive lediglich eine Illusion zu sein scheint. Was bedeutet dies für das Verständnis unseres Selbst? Können und sollten wir unserem moralischen Bewertungstrieb Einhalt gewähren?

Kevin Reuter ist ein SNF Eccellenza Professor am Institut für Philosophie der Universität Zürich. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Philosophie des Geistes, Sprache, Kognitions- und Sozialwissenschaften sowie Experimentelle Philosophie. Derzeit beschäftigt er sich mit dualen Charakterkonzepten, der Natur und den Konzepten von Schmerzen und Emotionen sowie (ir)rationalen Entscheidungsprozessen.


Am 25. November 2019 sprechen wir mit Dr. Julia Langkau

Was ist Kreativität?

Während sich Psychologen seit den 1950er Jahren intensiv mit Kreativität befassen und es eine grosse Bandbreite an Ratgebern gibt, die uns darin anleiten wollen, kreatives Denken und Handeln in Alltag und Beruf umzusetzen, hat die Philosophie sich bisher nur wenig mit dem Phänomen befasst. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war es verbreitet, Kreativität für eine angeborene Eigenschaft zu halten, die weder lern- oder lehrbar, noch rational erklärbar ist. Damit eng verbunden ist der Begriff des Genies. Erst in den letzten Jahren hat das Thema in der Philosophie an Aufmerksamkeit gewonnen. Wir werden den Fokus auf nicht-instrumentelle, künstlerische Kreativität legen.

Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass ein Produkt, etwa ein Kunstwerk, dann kreativ ist, wenn es neu und in irgendeiner Weise überraschend ist und wenn wir es ausserdem wertschätzen. Nun kann allerdings sowohl das Werk eines Hobbymalers als auch dasjenige eines grossen Meisters “kreativ” genannt werden. Während das erste möglicherweise nur Bekanntes neu kombiniert, mag das Werk des grossen Meisters radikal neu sein. Wir müssen daher verschiedene Arten kreativer Prozesse unterscheiden, die zu unterschiedlichen Arten von kreativen Produkten führen. Neben Werken und Prozessen können auch Personen “kreativ” genannt werden, und einige Philosophen sind bereit, den Begriff Träger künstlicher Intelligenz auszuweiten.

Der Fokus der Diskussion wird auf begrifflichen und phänomenologischen Fragen zur Kreativität liegen. Inwiefern bin ich, wenn ich etwa einen Pullover nach Muster sticke, kreativ? Was zeichnet die Kreativität von Kunstwerken grosser Künstler aus? Sind Computer, die Kunst produzieren können, wirklich kreativ? Gibt es einen Unterschied zwischen Kunstwerken, die missraten aber kreativ sind, und solchen, die einfach nur missraten sind? Inwiefern unterscheidet sich die Phänomenologie des Rezipierens von derjenigen des Schaffens eines Kunstwerks?

Julia Langkau ist SNF Ambizione Fellow in Philosophie an der Universität Fribourg und Mitglied der Forschungsgruppe 'The Aesthetic Mind', die an einem Projekt mit dem Titel "Learning from Literary Narratives" arbeitet. Sie war von August 2017 bis April 2018 Gastwissenschaftlerin an der University of Miami (USA). Bis 2012 war sie Doktorandin im Projekt 'Philosophische Methodik' am Arché Research Centre for Logic, Language, Metaphysics and Epistemology an der University of St Andrews (Scotland).


Weitere inhaltliche Informationen zu den Veranstaltungen folgen demnächst.