"Wo in der Philosophie einst der «Geist» wehte, gibt es heute fast nur noch laue Lüftchen. Statt an den emanzipatorischen Idealen der Aufklärung festzuhalten, erklärt man diese gern für obsolet."

Die neue Abgehobenheit

"Seinerzeit gab es ein typisch deutsches Phänomen, das durch ein typisch deutsches Wort bezeichnet wurde: Geist. Der Geist wehte, wo er wollte, manchmal links, manchmal rechts. Seit den wilden sechziger Jahren haftete ihm das Prädikat «kritisch» an, dann, nachdem die Achtundsechziger lange Bärte bekommen hatten, wurde er postmodern, strukturalistisch und dekonstruktiv.


Der Geist war zunächst in den Geisteswissenschaften zu Hause, er ging dann mit der Studentenbewegung auf die Strasse, um schliesslich in den Elfenbeinturm der Projektuniversität zurückzukehren. Gleichzeitig wurde der Geist international, er drückte sich immer öfter in der Weltsprache Englisch aus, aber im Englischen gab es kein so recht passendes Wort für ihn. Schliesslich wurde ihm wohl die Luft zu dünn. Wie einst Gott, zog sich nun der Geist zurück."

 

Mehr unter: Zur geistigen Signatur der Zeit - Die neue Abgehobenheit. Neue Zürcher Zeitung