Ein Projekt von philosophie.ch

Argumente in der Schweizer Politik besser verstehen

Aufgrund der regelmässigen Abstimmungen wird man in der Schweiz fast ohne Unterbruch mit politischen Argumenten konfrontiert, die zur Annahme oder Ablehnung einer Abstimmungsvorlage überzeugen sollen. Jedoch kann die hohe Frequenz von Pro- und Kontra-Argumenten schnell überfordern und die politische Meinungsbildung erschweren.

An diesem Punkt setzt das vorliegende Projekt an. Durch die Analyse häufig wiederkehrender Argumente in der Schweizer Politik soll sowohl die Kompetenz Argumente zu erkennen (bspw. in Meinungsartikeln oder Diskussionsrunden) als auch der kritische Umgang mit ihnen gefördert werden. Beide Aspekte dieses Projekts verfolgen das Ziel, die individuelle Meinungsbildung in Abstimmungen zu unterstützen.

Während es in Form von Faktenchecks und Listen wichtigster Argumente bereits zahlreiche Angebote zum Umgang mit politischen Argumenten gibt, fehlen strukturelle Analysen, die eine eigenständigere Meinungsbildung ermöglichen. Um diese Lücke zu füllen, werden im vorliegenden Projekt die argumentativen Strukturen von verschiedenen Medienbeiträgen herausgearbeitet, wozu die pragma-dialektische Methode der Diskussionsanalyse1 verwendet wird. Die daraus resultierende argumentative Landschaft bildet anschliessend die Grundlage, um Einzelargumente (z.B. die KMUs sind gefährdet) allgemeineren Argumentationsmustern (z.B. Argument von schlechten Konsequenzen) zuzuordnen. Anhand bereits bestehender Analysen häufiger solcher Mustern2 können die Einzelargumente dann kritisch diskutiert werden.

Die Ergebnisse dieses Vorgehens werden hier veröffentlicht und sollen für ein breites Publikum ohne spezifische Vorbildung zugänglich sein. In Zusammenarbeit mit der Plattform argumentation.online, welche didaktisch aufbereitete Argumentrekonstruktionen veröffentlicht, werden wir ausserdem Unterrichtsmaterial bereitstellen.

Das Projektteam besteht aus Joannes Campell (MSc in Logic, illc in Amsterdam; Student an der PH Bern: Philosophie und Deutsch), Anjuschka Merki (Bachelorstudentin in Philosophie, Sozialwissenschaften und Informatik, Universität Bern), Michael Müller (MPhil in Philosophy, University of Cambridge) und Marco Schori (Masterstudent in Wissenschaftsphilosophie und Klassische Philologie, Universität Bern).


1 Siehe Frans H. van Eemeren und Rob Grootendorst (2004), A Systematic Theory of Argumentation. The pragma-dialectical approach, Cambridge University Press.
2 Siehe Douglas Walton u. a. (2008), Argumentation Schemes, Cambridge University Press.