Unverfügbarkeit, Entfremdung und Aggression

Ambivalente Tendenzen spätmoderner Weltverhältnisse
Universität St. Gallen
18:15 - 20:00

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In wesentlichen Aspekten ist unsere unmittelbare Lebenspraxis dekontextualisierter geworden. Für den Einkauf, den Wissenserwerb in der Schule, in der Krankenpflege oder für den sozialen Austausch existieren technische oder virtuelle Alternativen. 

Die körperliche Anwesenheit, Begegnungen von Angesicht zu Angesicht sind dank Internet und Künstlicher Intelligenz (AI) in vielen Fällen nicht mehr notwendig zur basalen Lebensbewältigung. Durch die breite Auswahl von Optionen im Netz können wir bei sozialen Konflikten, aber auch aus Bequemlichkeit oder Effizienzgründen per Mausklick auf virtuell verfügbare Alternativen ausweichen. Ist damit die Dissoziation zur neuen Daseinsform geworden?

«Dissoziation» fasst ein Spektrum psychischer Mechanismen und Fähigkeiten zusammen, welche von «normal» bis pathologisch reichen. Das menschliche Gehirn wird durch Selektion und Verallgemeinerung leistungsfähig, Gruppen formieren sich über Identifikationen mit Zielen oder Werten, welche andere Ziele und Werte ausblenden. Bereits diese alltäglichen individuellen und kollektiven Mechanismen basieren auf der Fähigkeit zur Dissoziation, zur gezielten Auswahl und Verdrängung von Information. – Die digitalisierten Lebensbedingungen wirken sich auf Identität, Gedächtnis und Bewusstsein aus. Wenn die psychische Integration dieser Bereiche gestört ist, spricht man von einer pathologischen Dissoziation. Der Workshop dient dazu, Funktion und Bedeutung von Dissoziationen für die Psychodynamik, Sozialpathologien, insbesondere aber auch für die kritische Sozialphilosophie zu diskutieren.

 

Weitere Informationen

https://www.unisg.ch/de/universitaet/schools/economics-and-political-science/forschung-seps/workshop-dissoziation