Beitrag von Peter F. Wider

Glück

Wenn wir Glück ergründen wollen, so schauen wir erst mal, wo dieser Begriff überhaupt verwendet wird.

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Wir sagen:

  • Jemand hat Glück gehabt, weil er einem Unfall knapp entgangen ist.
  • Jemand hat Glück gehabt, weil eine Unternehmung erfolgreich verlaufen ist
  • Jemand hat Glück gehabt, weil seine Firma erfolgreich geschäftet hat
  • Jemand ist glücklich, weil er etwas positives erlebt hat
  • Wir wünschen jemandem Glück, wenn er ein riskantes Unterfangen beginnt.
  • „Der braucht Glück, wenn das gut gehen soll“
  • „Glück und Glas – wie schnell bricht das“
  • „Jeder ist seines Glückes Schmid“
  • Das Glück wendet sich von einem ab
  • Es gibt Glückshormone
  • Es gibt die Glücksforschung
  • Ist Glück Zufall?
  • Es gibt die Schicksalswende zum oder weg vom Glück
  • Das Streben nach Glück ist ein Freiheitsrecht
  • Wie stehen momentanes Glück und anhaltende Glückseligkeit zueinander?
  • Wie stehen Glück und Zufriedenheit zueinander?


Wikipedia:
Ursprung des Wortes Glück: Art, wie etwas endet.
Glück ist ein viel vielseitiger Begriff, der Empfindungen momentanen Glücksgefühls bis zu anhaltender Glückseligkeit einschließt, aber auch äußeres Geschehen bezeichnen kann wie glücklicher Zufall oder zum Lebensglück verhelfende Schicksalswenden.
Als Schlüssel zum Glück wird die Fähigkeit bezeichnet, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen, an sich selbst zu glauben (www.psychotipps). Stress entsteht, wenn es an Selbstbestimmung fehlt. Ebenso wird das Erreichen des seelischen Gleichgewichtes als Grundvoraussetzung zur Erreichung von Glück genannt.
Die Fähigkeit zum Glücklich-sein hängt . . . außer von äußeren Umständen, auch von individuellen Einstellungen und von der Bejahung einer gegebenen Situation ab.
Glücksgefühle
Endorphine, Oxytocin, Dopamin, Serotonin. . .  sind Botenstoffe, sog. Glückshormone, die freigesetzt werden beim Essen, Sport, Sex. Glücksgefühle sind momentane Erscheinungen. Länger dauernde Gefühle in diesem Bereich sind Frohnatur, Lebensglück, etc.
Wohlfühlen ist auch abhängig davon, dass man sich als Kind sicher aufgehoben fühlte und fähig ist, positive mitmenschliche Beziehungen herzustellen (Kommentar: Siehe Resilienz).
Wichtig sind Eigenschaften wie sich öffnen, aufeinander eingehen, Raum geben, zusammenhalten, fallen lassen, geborgen fühlen und vertrauen können. Ebenfalls wichtig sind Freundschaften, Kommunikationsfähigkeit (verbal und nonverbal) und Liebe.

Als schädlich für die Entstehung von Glücksgefühlen werden angesehen:

  • Traumatische Erfahrungen in der Kindheit und dem Heranwachsen
  • Lebens-Einschnitte wie Unfälle, Gewalteinwirkungen, Katastrophen
  • Affekte wie Habgier, Eifersucht, Todesfurcht
    Sie können oft nur durch therapeutische Hilfen überwunden werden.


Als günstige Faktoren zur Erreichung von Wohlfühlen werden als wichtig genannt:

  • Ausübung sinnvoller, positiv empfundener Tätigkeiten
  • Genießen können
  • Verschiedenartige, abwechslungsreiche Tätigkeiten
  • Spiel, Sport
  • Die Benützung aller Sinne (Sehen spüren, Riechen bei einem Spaziergang)
  • Gesellschaftlicher Umgang
  • Flow-Erfahrungen (das vollkonzentrierte Aufgehen in einer psychischen oder physischen Tätigkeit
  • Dankbarkeit
  • Anderen zu helfen

www.psychtipps nennt 11 Tipps zum Glücklich-werden:

  • Sich an Schönes erinnern. Suchen Sie in Gedanken ganz bewusst immer wieder Situationen auf, in denen Sie sich wohlgefühlt haben. Mit der Zeit wird es Ihnen immer leichter fallen, positive Gefühle ganz bewusst abzurufen und zwar alleine schon dadurch, dass Sie an die Situationen denken, mit denen Sie Positives verbinden.
  • In Einklang mit sich leben. Das bedeutet: keine Selbstverurteilung, keine Selbstablehnung, keine Selbstabwertung. Mit anderen Worten: stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl und Ihr Selbstvertrauen. Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Zufriedenheit.
  • Glücklich sein hat heilende Wirkung. Glückliche Menschen erkranken seltener und weniger schwer. Sie sind gesünder. Glückliche Menschen werden schneller wieder gesund. Glückliche Menschen leben länger.
  • Sich bewegen. Bewegung lässt Glückshormone sprudeln. Beispielsweise passiert das, wenn wir Sport treiben oder wenn wir Sex haben. Bewegung und Sex sind wichtige Faktoren, die guten Gefühlen den Weg ebnen. Es genügt regelmäßiges Ausdauertraining von einer halben Stunde 2 bis 3 Mal pro Woche. Auch Tanzen ist eine wunderbare Möglichkeit, sein körperliches Wohlbefinden zu steigern. Durch körperliche Anstrengung werden Hormone (Serotonin, Endorphin) freigesetzt, die euphorisierend wirken.
  • Aktiv sein. Werden Sie aktiv und suchen gezielt nach einer Aufgabe und Beschäftigung. Aktives Tun und in dem aufgehen, was man tut, ist eine wichtige Voraussetzung für das Erleben glücklicher Momente. Bequemlichkeit bezahlen wir mit schlechten Gefühlen. Befriedigung bringt nur Aktivität und Aktivsein. Dabei ist nicht die Art der Tätigkeit entscheidend, sondern die Tätigkeit als solche. Wichtig ist, dass wir eine Beschäftigung finden, die uns geistig und/oder körperlich fordert. Die Betonung liegt auf "fordern", d.h. Beschäftigungen, die wir mit "links" erledigen und uns einfach so von der Hand gehen, schaffen uns kein Glücksgefühl. Nur wenn wir unsere bisherigen persönlichen Leistungsgrenzen überschreiten, schaffen wir die Voraussetzung für ein Glücksgefühl.
  • Vorfreude. Es heißt "Vorfreude ist die schönste Freude" - und da liegt viel Wahres drin. In Erwartung von etwas Schönem produziert unser Gehirn Dopamin, eine Art Glückshormon. Vorfreude löst im Körper die gleichen positiven Reaktionen (Abbau von Stresshormon, Stärkung des Immunsystems) aus wie die Freude über bereits Ereignetes. Worauf könnten Sie sich also freuen)
  • Freundschaften. Pflegen Sie Ihren Freundeskreis. Investieren Sie viel Zeit in Freundschaften und soziale Kontakte. Die glücklichsten Menschen sind die mit den besten sozialen Beziehungen.
  • Positive Ziele. Suchen Sie sich positive (berufliche, persönliche) Ziele, die Sie begeistern. In Erwartung dieser Ziele schüttet das Gehirn Botenstoffe aus, die Sie Lust und Vorfreude erleben lassen.
  • Abwechslung. Sorgen Sie für Abwechslung der Genüsse, d.h. suchen bewusst nach Abwechslung für Ihre Sinne. Immer mal wieder etwas Neues ausprobieren - schmecken, riechen, sehen.
  • Ein Sinn im Leben. Das Empfinden von Glück ist eng verbunden mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Wenn wir es nicht verstehen, dem Leben und unserer Tätigkeit einen Sinn zu geben, dann entziehen wir dem Glück seine Grundlagen. Den Sinn des Lebens gibt es jedoch nicht wie unsere Kleider von der Stange. Und eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens kann auch nicht von anderen kommen. Die Antwort darauf finden wir nur in uns selbst - wie auch das Glücklich sein.
  • Ein Glückstagebuch. Führen Sie ein Glückstagebuch über Ihre Glücksmomente und lesen die Eintragungen immer wieder durch. Dadurch lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Glücksmomente und fühlen sich glücklich. Worauf Sie sich konzentrieren, bestimmt, wie Sie sich fühlen.
  • Lachen. Lachen ist ansteckend, Glück ebenso. Umgeben Sie sich in Ihrer Freizeit mit Menschen, die gerne und oft lachen, glücklich und zufrieden sind. So wie man sich schwertut, sich vom Lachen anderer nicht anstecken zu lassen, so ist es auch schwierig, sich nicht von den Glücksgefühlen anderer anstecken zu lassen.


Fazit: Jeder muss an seinem eigenen Glücksmodell basteln.

Wohlgefühl
Ein länger dauerndes Wohlgefühl unterscheidet sich von einem momentanen, akuten, Glücksgefühl nicht nur in der Dauer, sondern vor allem auch in der Intensität. Es kann die Spitzenwerte eines momentanen mentalen oder physischen Orgasmus nicht erreichen, hält dafür aber eben auch länger an. Das Produkt von Intensität und Dauer ist daher vielleicht eine Konstante.
Für das länger dauernde Sich-wohl-fühlen braucht es bestimmte Voraussetzungen, die vorhanden sein, geschaffen werden und erhalten werden müssen.
Wenn man sagt, dass ein guter Stern über einer Unternehmung stand, oder dass das Schicksal es gut gemeint habe mit einem Einzelschicksal, einer Familie oder einer Unternehmung, so zeigt das nur, dass alle dafür notwendigen Anstrengungen nicht erkannt oder nicht gewürdigt worden sind. Der Ausdruck „ein guter Stern“ ist biblisch und sogar noch älter. Er symbolisiert sehr gut, wie das Glück als etwas nicht selbst Bewirktes empfunden wird, sondern als etwas von einer höheren Macht verliehenes
Ein länger dauerndes Wohlgefühl besteht aus vielen, immer wieder auftretenden „kleinen“ Glücksmomenten und diese werden Volksmund oft als eigentliches Glück bezeichnet.  Es scheint wichtiger zu sein, ein länger dauerndes Wohlgefühl zu haben, als der momentane Glücks-Rausch. Andererseits möchte man, mitten im Glücksrausch, diesen Moment um alles in der Welt, andauern zu lassen. Goethe: „Zum Augenblicke dürft’ ich sagen: Verweile doch, du bist so schön!“

Glücksmomente
Wir unterscheiden zwischen dem Sich-glücklich-fühlen und dem, was man als Glück-haben bezeichnet:
Von dem Sich-glücklich-fühlen wissen wir aus Erfahrung, dass

  • das das Resultat einer positiv ausgegangenen Aktion ist
  • es nicht andauert
  • die Wirkung bei kurzfristig wiederholtem Auftreten abnimmt.

Physiologisch gesehen, werden bei erfolgreichem Ausgang einer Aktion Glückshormone ausgeschüttet, die das Sich- wohl-fühlen verursachen. Sie stellen somit eine Auszahlungsfunktion dar, die als Feedback die Funktion hat, solche, zu positiven Ergebnissen führende Aktionen zu wiederholen.  Und weil es letztlich chemische Vorgänge sind, dauern sie nicht an.
Sie können aber durch künstliche Zugabe herbeigeführt werden, was bei Depressionen hilfreich ist und bei schädlichen Drogen zur Sucht führt. Diese Stoffe werden auch bei Ausdauersport, Fasten und anderen Extremleistungen fordernden Aktivitäten ausgeschüttet, was vermuten lässt, dass sie ein Motivationsgrund für die Tätigkeiten sind.
Das heißt, dass ein Glücksgefühl dann produziert wird, wenn ein Bedürfnis gestillt worden ist, eben, um etwas zu wiederholen, von dem unser Körper annimmt, dass es gut für uns ist. Es muss also eine Überwachung und Steuerung geben, die dafür besorgt ist, dass es uns gut geht. Und das wiederum, muss somit bei allen Lebewesen, bei Menschen, Tieren und Pflanzen wirksam sein.
Diese Glücks-Steuerung muss auf allen Ebenen der körperlichen Steuerungen und da gehört auch das Mentale dazu, wirksam sein.
Wenn wir daher Glück umfassend begreifen wollen, müssen wir die Motivationstheorie beachten. Das führt dann aber vom Einzelmoment  bis zur globalen Gesellschaft – es wird ziemlich umfangreich.
Glück verliert damit zwar seinen menschlich-romantischen Nimbus, gewinnt dafür aber an übergreifender Bedeutung für alle Lebewesen – und das ist ein Teil der Evolutionsethik.

 


Von Glück-gehabt spricht man, wenn man einem Unglück knapp entgangen ist, oder wenn einem „das Glück hold war“, z.B. wenn

  • ein Blitz neben einem eigeschlagen ist
  • man in der Lotterie gewonnen hat.


Das sind Fälle, die nicht auf eigenes Können oder Wollen zurückgeführt werden können. Sie kommen von Außen und manchmal nehmen wir sie nicht einmal wahr. In diesen Fällen wird oft das Schicksal oder der Zufall ins Spiel gebracht. Es scheint einfacher, eine unbekannte Macht zu bemühen, als anzuerkennen, dass immer kausale Zusammenhänge zum Ergebnis geführt haben.
Dabei muss aber ein Vorbehalt gemacht werden: Den Zufall können wir nur teilweise erfassen, mit Hilfe der Statistik, aber was er eigentlich ist, wissen wir nicht. Wir sollten aber nie davon ausgehen, dass irgendeine höhere Macht ihre Finger in unserem Leben hat.