Dr. Hartmut Westermann (RWTH Aachen)
Die Angriffe des Skeptikers auf den teleologischen Gottesbeweis: Humes Dialogues concerning Natural Religion
In seinen Dialogues inszeniert der schottische Philosoph David Hume (1711-1776) eine religionsphilosophische Debatte dreier Dialogfiguren, von denen die erste den christlichen Offenbarungs- und die zweite einen empirisch fundierten Vernunftglauben vertritt, während die dritte das Kritikpotential philosophischer Skepsis ausspielen darf. Thematischer Ausgangspunkt des Streitgesprächs ist die Frage nach der Natur Gottes, dessen Existenz die Dialogfiguren zwar allesamt bejahen, dies jedoch aus höchst unterschiedlichen Gründen. Daher ist es auch ein Gottesbeweis, nämlich der teleologische bzw. der (in der Diktion Kants) physikotheologische, der aufgrund seiner strittigen Argumentationsweise, aber auch wegen seiner spezifischen Profilierung des Gottesbegriffs zum zentralen Streitpunkt der Disputation avanciert. Aufzuzeigen, wie Hume die indirekten Mitteilungsmöglichkeiten philosophischer Dialogschreibung gleichermassen zur Strukturierung wie zur Problematisierung des teleologischen Gottesbeweises einzusetzen versteht, wird Ziel des angekündigten Vortrags sein. Eine gewisse bildungspolitische Aktualität gewinnt das Vortragsthema angesichts des von heutigen Neokreationisten in weitgehender Analogie zum tradierten teleologischen Gottesbeweis entwickelten Konzepts des intelligent design.