Diese Seite würde viel besser aussehen in einem Browser, der aktuelle Web Standards unterstützt, obwohl der Inhalt von jedem Browser oder Internet-Lesegerät dargestellt werden kann. Um sich über aktuelle Browser zu informieren, klicken Sie hier.
krino. Philosophische Gesellschaft Bern
Happiness
Is a Warm Gun – PhilosophInnen zum Glück
Vortragsreihe 2005
Viele
der in der philosophischen Auseinandersetzung besonders wichtigen
Begriffe
erfahren über die Zeiten stark voneinander abweichende Deutungen.
In besonderem
Masse gilt dies für den Begriff „Glück“ (gr. eudaimonia,
lat. beatitudo,
engl. happiness), den zentralen philosophischen Terminus
für ein
gelingendes Leben. So fällt auf, dass das moderne
Glücksverständnis eine sehr
viel stärker subjektivistische und psychologische Prägung
aufweist, als dies in
der Antike der Fall war. Glück wird heute primär mit
positiven Empfindungen und
subjektivem Wohlergehen in Verbindung gebracht. Unsere Auffassung von
Glück ist
zudem soweit privatisiert, dass uns die Vorstellung befremdlich
erscheint, es
gebe so etwas wie allgemeingültige Glücksfaktoren und der
tatsächliche Stand
unseres Glücks oder Unglücks liesse sich aus der
Aussenperspektive objektiv
eruieren.
Von
gänzlich anderen Prämissen gehen dagegen antike
Konzeptionen aus: Die Glücksfrage wird hier objektivierend
behandelt. So suchen
antike Autoren objektiv glückskonstitutive Faktoren anzugeben,
deren Erfüllung
die Erlangung des höchsten Guts, welches allgemein als Glück
bzw. das gute
Leben bestimmt wird, garantiert. Für die antike Philosophie
repräsentativ ist
in dieser Hinsicht die Position des Aristoteles, welche eng mit seiner
Auffassung vom guten Leben als einem guten Zusammenleben verwoben ist.
Die
aristotelischen Ausführungen lassen dabei grundsätzlich zwei
Lesarten zu: Der
ersten Lesart zufolge wird Glück als umfassendes Ziel eines guten
Lebens
aufgefasst. Mit allen richtigen und auf ein gutes Zusammenleben hin
orientierten Handlungen würde entsprechend jeweils ein Teil des
Glücks als
eines übergeordneten Zwecks realisiert. Attraktiver ist dagegen
vielleicht die
zweite Lesart, der zufolge bestimmte Handlungen eben darum
ausgeführt werden,
weil sie eine Beziehung zu Vorstellungen eines guten Zusammenlebens
aufweisen,
so dass Handlungen dieser Art bereits alle Züge des Glücks
tragen. Jede
gemeinschaftliche Handlung dieser Qualität darf als
vollständige Verwirklichung
einer Tätigkeit betrachtet werden, die als glückliches Leben
charakterisiert
ist.
Bereits
im Hellenismus verschaffen sich Konzeptionen Gehör, die Glück
ähnlich wie heute
üblich als (psychischen) Zustand eines Individuums begreifen. An
die Stelle der
Erfüllungsqualität einer gemeinsamen Tätigkeit
rückt das Glück als ein
Empfindungszustand, in dem es dem Einzelnen an nichts mangelt. In der
Moderne
treten hierzu Bemühungen, das Glück zu quantifizieren und
Glückszustände
mittels Kalkülen zu berechnen und gegeneinander abzuwägen.
Solche Ansätze
stehen dabei oft in engem Zusammenhang mit ethischen Auffassungen,
gemäss denen
der Mensch die moralische Pflicht hat, das Glück in der Welt zu
mehren
(Utilitarismus).
In
letzter Zeit erfahren der aristotelischen Glückskonzeption
verwandte
Auffassungen wieder grössere Aufmerksamkeit. Zum einen wendet sich
die
akademische Philosophie zunehmend antiken Vorstellungen vom gelingenden
Leben
zu. Zum anderen ist eine auflagenstarke Populärphilosophie
entstanden, die eine
bestimmte Form des Eudaimonismus propagiert und Ratschläge
für das Glück und
ein erfülltes Leben erteilt.
Unsere
Vortragsreihe sucht ein möglichst breites Spektrum
der hier skizzierten Positionen abzudecken. Alle Interessierten sind
herzlich
dazu eingeladen, als Hörer unterschiedliche
Glückskonzeptionen vertieft kennen
zu lernen und in der gemeinsamen Diskussion den Facettenreichtum des
faszinierenden Themas „Glück“ zu entdecken.