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krino. Philosophische Gesellschaft Bern

Was dem Denken Halt gibt

Vortragsreihe 2006


Philosophisches Denken, ob es sich nun mit Detailfragen oder mit übergeordneten Zusammenhängen beschäftigt, muss sich an etwas orientieren können. Um sich nicht im Beliebigen zu verlieren, benötigt es etwas, das ihm Halt gibt und das ihm Einhalt gebietet. Klassisch bieten sich drei Kandidatinnen für ein solches Haltgebendes an: (1) Die Welt bzw. die Gegenstände des Denkens, die Gedanken wahr oder falsch machen und sie im Erfolgsfall auf harten Grund stossen lassen (Objektivität durch die Objekte); (2) Regeln für das Denken, die richtiges Vorgehen von unrichtigem zu unterscheiden erlauben (Objektivität als Korrektheit); und schliesslich (3) eine Autorität, nach deren Vorgaben sich das Denken ausrichtet. – Im Einzelnen stehen hier im Blick: Platonische Ideen, realistische Positionen, rationale Gründe, das Regelfolgen, die Autorität eines Gottes sowie der Dialog der Nachdenkenden, deren Denken aneinander Halt finden soll. Dabei zeichnet es Philosophie aus, dass sie noch das für sie im Letzten Verlässliche selber bestimmt.

Was das Denken jeweils primär als sein Haltgebendes ansetzt, ist nichts Beiläufiges. Entsprechende Entscheidungen können vielmehr weitreichende Konsequenzen für die Art unseres Philosophierens haben. Was wir als Haltgebendes für unser Denken ansehen, dürfte zudem Aufschluss darüber geben, wie wir uns selber verstehen wollen; und an diesem Punkt überschreitet die Frage nach dem Haltgebenden die Grenzen akademischer Nachdenklichkeit.