krino-Jahresprogramm 2008
DIALOG
Der Begriff "Dialog" gehört seit alters zum Kernbestand des philosophischen Vokabulars. Die unter ihn fallenden Phänomene spielen traditionell auch in den verschiedenen Gattungen der Literatur und in der Politik eine zentrale Rolle. In jüngerer Zeit erfahren als Dialoge angelegte Formen der sprachlichen Auseinandersetzung darüber hinaus grosse Aufmerksamkeit im Bereich der Didaktik, der Unternehmensführung und – wovon Schlagworte wie "interreligiöser Dialog" oder "interkultureller Dialog" zeugen – in kirchlichen und kulturellen Kontexten.
Innerhalb der Philosophie werden dem Dialog unterschiedliche Funktionen zugedacht. "Dialog" kann zum einen für eine Methode des Philosophierens stehen, bei welcher ein oder mehrere Gesprächspartner unter der Anleitung eines Gesprächsführers, der durch gezielte Fragen die kritische Reflexion auf ungenügend begründete Annahmen zu fördern versucht, schrittweise zu zentralen philosophischen Einsichten gelangen: Platons Dialoge stellen das wohl bekannteste Beispiel hierfür dar. Eine andere mögliche Funktion erfüllen der Dialog und die darin angestrebte Konsensfindung im Rahmen einer Diskursethik: Der gegenseitige Austausch zwischen den Teilnehmern eines praktischen Diskurses dient hier der Begründung von Normen.
Weitet man den Blick von der Philosophie auf andere Disziplinen und über den Bereich der Wissenschaft hinaus, so lassen sich für den Begriff die folgenden Merkmale heraus-kristallisieren. Wer von Dialog spricht, impliziert damit immer schon, dass
Bei näherer Betrachtung ergeben sich eine Reihe von weiterführenden Fragen. Besteht das Ziel des Dialogs stets in der Annäherung oder gar Versöhnung der konfligierenden Parteien? Oder geht es vielmehr um die Klärung dessen, was die Gegenposition überhaupt beinhaltet? Kann dadurch bestenfalls das Verständnis für die andere Sichtweise erreicht werden? Was sind die "Bedingungen der Möglichkeit" von Dialog, d.h. wann und wie kann er funktionieren? Welches sind die Rahmenbedingungen und (Spiel-)Regeln für einen gelingenden bzw. misslingenden Dialog? Wo liegen die Grenzen, was vermag der Dialog als Verständigungs- und Versöhnungsmittel im besten Fall zu erreichen? Und wer kommt überhaupt als Dialog-partner in Frage: Ist Dialog auch zwischen Mensch und Gott, Mensch und Tier oder Mensch und Maschine möglich?
Diesen und weiteren Fragen soll in der diesjährigen Vortragsreihe nachgegangen werden.